Vancsa, Max, Bibliothekar und Historiker (1866-1947).

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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Wien, 27. III. 1912, Gr.-8°. 2 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

An einen Herrn: […] Im Prinzip stimme ich ja vollständig zu, daß eine architektonische Umgestaltung und Zusammenschließung unserer vielfach oeden und weiten Großstadtplätze nur zu begrüßen wäre. Aber warum just mit dem Rathausplatze anfangen, der mit seinen frei entwickelten Gartenanlagen keineswegs die innere Notwendigkeit einer solchen Gestaltung in sich trägt und doch während des Vierteljahrhunderts seines Bestandes sich derart in das Stadtbild eingelebt hat, daß eine Änderung vielfach störend empfunden werden dürfte? Ich glaube, populär würde ein solches Projekt nie werden und damit gerade dem künstlerischen Prinzipe, das Sie verfechten wollen, eher geschadet als genützt. Auch bin ich der Ansicht, daß man mit einem bloß theoretisch ausgesprochenen Plan nur sehr geringe und nur sehr künstliche Begeisterung erwirken kann. Es müßte ein bedeutender künstlerischer Entwurf vorliegen, dann hätte vielleicht die Agitation einige Aussicht auf Erfolg oder doch wenigstens eine gesicherte Grundlage! Die beiden Projekte, die seinerzeit aufgetaucht sind, der Pilgramsche und das Wagnersche, dürften kaum dazu dienen […]” – Max Vancsa war 1893 bis 1896 Archivar und Bibliothekar im Finanzministerium und 1896 Beamter des niederösterreichischen Landesarchivs in Wien, welchem er 1915 bis 1924 als Direktor vorstand. Er begründete das Niederösterreichische Landesmuseum, das er 1911 bis 1922 leitete. Vancsa, der heute als bedeutender Historiker Niederösterreichs gilt, betätigte sich auch als Musikschriftsteller und Theaterkritiker.