Mann, Thomas, Schriftsteller (1875-1955).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Bad Tölz, 21. VIII. 1917, 8°. 3 Seiten. Doppelblatt. Mit eigenhändigen Umschlag.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Leutnant Wilhelm Hasselbach in St. Avold in Lothringen: „Sehr geehrter Herr Leutnant: Ihr freundlicher Brief, schon vom 12. August datiert, kam erst jetzt in meine Hände: Er muß lange gereist sein, und als er von Berlin hier eintraf (Bad Tölz, Ober- Bayern) war ich eben in Geschäften auf ein paar Tage in München, wo mein Wohnsitz ist. Die ‚Begleiterscheinung der Zeit‘, von der Sie sprechen, ist in der Tat sehr merkwürdig und bedeutungsvoll. Die Thatsache, daß der Krieg einer Riesenzahl junger Leute die Freude am Lesen gelehrt und z. B. Sie zur Literatur, d. h. zur bewußten Beschäftigung mit der menschlichen Seele, geführt hat, gehört entschieden in das Kapitel ‚Krieg und Menschlichkeit‘ und sagt aus, daß diejenigen recht haben, die dem Kriege geistig steigernde und erhöhende Wirkungen zuschreiben. Die Demokratie selbst rechnet ja mit solchen Wirkungen, wobei sie freilich nur die politisch-erzieherische im Auge hat. Ich freue mich aufrichtig, zu hören, daß meine Bücher Ihnen etwas zu sagen hatten und werde Ihnen gerne nach bestem Vermögen antworten, wenn Sie Bedenken anzubringen oder Fragen zu stellen haben […]“ – Der Adressat war später Bürgermeister in Falkenstein/Taunus und verfasste eine Broschüre über den Ort. Eine gleichzeitige Abschrift seines Briefes vom 12. August 1917auf Feldpostpapier mit seiner Reaktion auf die Lektüre von „Buddenbrooks“, „Tonio Kröger“, „Königliche Hohheit“ und „Friedrich und die große Koalition“ liegt bei. – Ungedruckt, nicht in Reg.