Mann, Thomas, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1875-1955).

Eigenh. Schriftstück mit Unterschrift Nidden, 8. VIII. 1932, 4°. 1 Seite. Bütten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

Wunderschönes Autograph und Sammelstück par excellence. In eleganter Schrift auf kräftigem handgeschöptem Bütten niedergeschrieben, vereint dieses Autograph die Gattungen von Manuskript, Brief und Albumblatt zu einem Ganzen. Es stellt eine vollkommen unbekannte und unveröffentliche Quelle dar, und zwar in einer Geburtstagsadresse an den Verleger im Albert-Langen Verlag Korfiz Holm (1872-1942): “Sind Sie denn also bei den Sechzig angelangt, lieber Herr Holm! Nun ja, es stimmt, Sie waren mir immer ein paar Jahre voraus, darum waren Sie auch auf dem Katharineum mein Vorturner. Sie haben auch davon in Ihrem heiter-weisen Lebensbuch so reizend erzählt, daß es unnütz wäre, Sie zu erinnern. Sie waren ein milder Vorgesetzter und hatten überhaupt von Frühauf etwas für mich übrig. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Ich habe Sie immer gern gehabt und Ihnen meine Freundschaft bewahrt, so selten wir uns durch Jahrzehnte gesehen haben. Ihre kühle, skeptische Art sagte mir zu von je, und mein Zutrauen gehörte Ihnen dank Eigenschaften, die hinter dieser Kühle und Skepsis wirkten, und von denen zu reden geschmacklos wäre. Ihre Figur gehört, wie die Ihrer Mutter, die sie in Ihrem Buch so köstlich wiederbelebt haben, in das Bild meiner Jugend. Ich hänge an Ihnen […]” – Die erwähnte Stelle in Holms Erinnerungsbuch “ich – kleingeschrieben” (München 1932; S. 36 f.) lautet: “[…] Thomas Mann, mit dem ich Anno 1892 auf dem lübecker Gymnasium, das er in den Buddenbrooks nachher so lieblos porträtieren sollte, erstmals in Berührung trat. Und es ist wohl das einzige, was mir Unsterblichkeit verbürgt, daß ich – sein Vorturner gewesen bin […] Thomas Mann als Turner war, was Können und Wollen anbetrifft, ein Fall für sich: er übte diesem Unfug gegenüber souverän passive Resistenz, er faßte Reck und Barren nur gleichsam symbolisch mit den Fingerspitzen an und streifte dieses seiner unwürdige Gerät mit einem vor Verachtung förmlich blinden Blick, der schon den künftigen Olympier ahnen ließ.” Die Gymnasialbekanntschaft führte wohl auch dazu, daß der frühere mangelhafte Turner Thomas Mann von Korfiz Holm im November 1898 als freier Lektor im Verlag Albert Langen und beim “Simplicissimus” mit einem Monatsgehalt von 100 Mark angestellt wurde (Heine-Schommer S. 18; vgl. auch S. 5). Das Porträt von Holms Mutter findet sich ebenfalls im ersten Kapitel des genannten Buchs, dessen Neuausgabe (bei Langen-Müller) soeben von Dirk Heisserer vorbereitet wird.