Nagel, Hanna, Zeichnerin (1907 -1975 ).

8 eigenh. Brief mit 10 beikolor. Federzeichnungen und Unterschrift sowie masch. Bildpostkarte mit eigenhändiger Unterschrift Heidelberg, 22. IV. 1946 bis 14. XII. 1969, Verschied. Formate. Zus. 22 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An eine Galerie in Stuttgart. – I. (22. IV. 1946): […] Ich danke Ihnen so sehr für das reizende Päckchen, das ich in jeder Hinsicht so gut brauchen kann! – Das Ostern war für mich ein sitzen im Bett, morgens kamen die Schwestern und wünschten frohe Ostern und es gab Bohnenkaffee und ein hartes Ei, das ich meiner Kleinen gab, und von dem Bohnenkaffee Herzklopfen zum platzen. – Und wenn wir Kummer haben, dann sind’s – die Männer. Ist es nicht so? man möchte fliehen – und kann nicht […]” – II. (27. IX. 1946) Mit Dank für Brief und Paket: “[…] Es ist schwierig, zu Ihnen Zugang zu finden, es ist als stünden Sie an einem anderen Ufer, und ich zapple mich am anderen Ufer noch ab. Seien Sie nicht so streng mit mir. Es ist alles so schwer […]” – III. (17. XII. 1946): “[…] Wie geht es Ihnen? Mir viel besser, seit ich meine Wege gehe und mein Mann seine. Anders ist es wohl nicht möglich, ich bin zu alt und zu widerspenstig, ich möchte mich von niemand zähmen lassen. – Nächstes Jahr käme ich gerne mal nach Stuttgart, geschäftlich wäre es nötig. Gibt es da ein Hotel, wo man übernachten kann? Neulich sprach hier Hermine Körner, es war sehr schön. Kennen Sie sie? Herr Norbert Ketterer war bei mir, kennen Sie ihn? Er möchte gern eine Ausstellung machen. – Am 16. I. sollten hier in der Aula die Preludes vorgeführt werden, aber Frau Kwast wurde die Lizenz entzogen, jetzt habe ich keinen Pianisten: Diese Preludes sind eine harte Nuss! […]” – IV. (7. XI. 1947) Über die Preise für ihre Zeichnungen: “[…] Ich habe Sorgen, verstehen Sie […] und da hört dann die Gemütlichkeit auf! Das Leben ist einfach grässlich, mit was für Kram man sich herumschlägt. Widerlich. An Liebe kann man gar nicht denken, weil es ein solcher Luxus ist! Nach Stuttgart fahre ich jetzt nicht, das wäre noch mehr Schinderei […] Es ist alles höchst beschissen […]” – V. (8. V. 1948): “[…] vielen Dank für die Überraschung des 7. Kreuzes von Seghers, ich lese es mit Abscheu, all dieser grässliche Nazikram damals. Gerne las ich gerade die ‘Verließe des Vatikans’ von Gide und ‘die Brücke von San Louis Rey’ (Wilder.) – Ich hatte böse Grippe, und ich finde alles so schwer. Auch meine Arbeit stockt überall, Sie wissen es ja. Bald mag man nichts mehr machen […]” – VI. (4. II. 1950): “[…] Gestern habe ich mein neues Kinderbuch fertiggestellt und suche nun einen Verleger. Falls Sie jemand wissen, schreiben Sie es bitte sofort: es ist für 3-4 jährige, sehr bunt, ohne Text, 33 x 41 cm, gedacht unzerreißbar, zum Aufstellen im Zimmer oder als Fries im Wartezimmer eines Kinderarztes. Ich muss selber sagen, dass es sehr nett ist! – Sonst plage ich mich finanziell recht bescheiden herum mit allem Möglichen. Zur Zeit ohne jeden Auftrag! Ich warte wie ein Aasgeier auf irgendeine Arbeit. Mit Verkauf ist es völlig aus seit der W. Reform […]” – VII. (17. X. 1950): “[…] Ja, also am 17. Nov sollen die Preludes doch aufgeführt werden. Ich habe natürlich greuliche Angst, dass der Saal nicht voll wird und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie vielleicht Bekannte hinschicken könnten […]” – VIII. (3. XI. 1950): “[…] Ihr Rundfunk will ein Zwiegespräch von Meid und mir machen über ‘Buchillustration’ und der Frauenfunk eines über die Preludes, 2-3 Minuten. Ich bin zu allem entschlossen jetzt, so wie man in Amerika Tellerwäscher wird, wissen Sie. Hier ist jetzt eine große Ausstellung von 120 Zeichnungen in der Stadtbibliothek […] die ich allein gerahmt und aufgehängt habe mit 2 alten Männern. Es sieht sehr schön aus. Alles, was so in den Mappen dahinschimmelt, nun mal hängen zu sehen. Aber die Leute sind so stumpf, sie interessieren sich kaum noch für Zeichnungen, vielleicht überhaupt nicht mehr. -Die Bibliotheksdamen waren so entzückt von dem Kinderbuch und haben es an Frau Weitbrecht vom Thienemanns Verlag geschickt. Wenn es doch mal wo kleben bliebe. Neulich war ich bei Meid eingeladen, fuhr von und nach Stuttgart zurück und nachts um 2 Uhr wieder heim. Ein grässlicher Eiskeller von Bahnhof nachts! Meid ist sehr glücklich im Schloss in Ludwigsburg, wohnt wunderschön, die Akademie hat alles neu für ihn machen lassen […]” – IX. (14. XII. 1969) Weihnachtsgruss. – Knvolut mit hübsch illustrierten Briefen.