Nordau, Max (eigentl. Simon Maximilian Südfeld), Schriftsteller, Arzt und Mitbegründer des Zionismus (1849-1923).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Paris, 49 Rue St. André des Arts, 31. VIII. 1877, 8°. 4 Seiten. Doppelblatt.

Nicht vorrätig

Beschreibung

Langes Schreiben an einen Freund in Ostende (möglicherweise Heinrich York-Steiner; 1859-1934), dessen Besuch in Paris er herbeiwünscht: “[…] Ostende ist langweilig und Paris anziehungskräftig. Sind Sie wirklich nicht ein bischen neugierig, die neuen Straßen Avenue de l’Opera und Boulevard St. Germain, die 1878er Ausstellungsgebäude und die Nubier des Jardin d’Acclamation [eine viel beachtete Völkerschau] zu sehen? Haben Sie wirklich gar keine Sehnsucht, wieder einmal im Schatten der Kastanienbäume des Bd. des Italiens vor dem Cafe de la Paix Ihren Morgenkaffee zu nehmen? […] Gehen Sie immerhin nach London, das ist sehr klug. Aber bedenken Sie, daß die Reise von London nach Wien absolut ohne Umweg über Paris führt […] Ihr erstes Feuilleton aus Marienbad war ganz nett, Ihr zweites aus Gastein etwas matt, dagegen ist Ihr drittes aus Antwerpen, das heute hier eingetroffen ist, wirklich reizend […] Nie thun Einem Kurplätze und Seebäder so gründlich wol, als wenn man sich einer eisernen Gesundheit erfreut. Das ist eines der wichtigsten medizinischen Axiome, zu dem ich bisher gelangt bin […] Hoffentlich bleiben Ihnen Appetit, Ihr Schlaf und Ihr thatkräftiges Interesse an der Frage der Erhaltung unserer Race bis in ein fabelhaftes Alter erhalten […]” Erwähnt den Bankier Adolf Wilhelm Kessler (1839-1895) und den Maler Mihály von Munkácsy (1844-1900). “[…] Meine Pläne sind noch immer die Alten. Ich denke, daß ich bis zum Herbste 1878 hier bleiben und dann mit hängenden Ohren nach Pest zurückkehren werde, um mein Glück als praktischer Arzt – in der Spezialität der Frauenkrankheiten – zu versuchen. Ich arbeite sehr viel, allerdings mehr medizinisches als journalistisches. Die Folge davon ist, daß es mir materiell nicht gerade glänzend geht. Ich verdiene natürlich das Wenige, was wir gerade brauchen, allein ich gelange kaum dazu mir einige Franken für die seinerzeitige Etablierung in Pest beiseite zu legen […]” – Nordau lebte von Mai 1876 bis November 1878 mit seiner Mutter in Paris, wohin er 1880 zurückkehrte. – Einriss in der Knickfalte. – Selten so ausführlich und so früh.