Notus ex Calamo (d. i. ?), Geheimagent (Identität nicht ermittelt).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Not[us] ax Calamo". München, 18. VII. 1789, 4°. 3 Seiten. Doppelblatt, num. "Nro 17".

Nicht vorrätig

Beschreibung

Geheimdienstlicher Spitzelbrief, in dem die Namen der beobachteten Personen durch Zahlen ersetzt sind, lediglich der berühmte Benjamin Thompson, Graf von Rumford (1753-1814), der Schöpfer des Münchner Englischen Gartens wird namentlich erwähnt. Der Spitzel adressiert “Wohlgebohrner Herr, gnädiger Herr!” und geht zunächst auf den “Cameral-Status” vom Mai 1779 ein, in dem er einige Rechenfehler nachweist, sodann berichtet er über eine Vertrauensperson (21) am Hof und deren Audienz bei Kurfürst Karl Theodor: “[…] Beym Austritt aus dem Zimmer wartheten eine Menge Cavalliers, und unter andern Thomson, der den 21 sogleich auf englisch begrüsste, selben auf die Seite nahm, und ein langes und breites mit ihm daher schwäzte, ja selben zulezt sogar nötigte mit ihme in den Plaz zu gehen, wo er seinen Militairischen Garten anleget [den heutigen Englischen Garten]; da sezten sie sich beede auf einen Graß-waasen, in einer Entfernung von den arbeitenten Soldaten und den müssigen Zuschauern von allen Ständen und Caracters, nieder, und blieben biß nachmittag halb 7 Uhr sizen. – Alleine diese auffallend lange Unterredung brachte die Zuschauer […] auf ganz andere Gedanken: Sie vermutheten nämlich, es habe [Fußnote: 97.Tomson: NB: dieser Mann wird künftig zu mehrern Stoff in meinen Briefen Anlaß geben] 21 sich von darum hinter Tomson gestecket, um seinen Plann desto eher durchsezen zu können, um so mehr zwar, alß es bekannt ist, daß Tomson der einzige gefährlichste Antagonist [Gegner] von der Parthey des Nro. 2 et 3 ist, daß er selbst suchet Finanz-Minister zu werden, sohin dem ebenbenannten 2 et 3 wie man zu sagen pflegt, die Schuhe auszutretten. – So weit nun 21 entfernet war, sich an Tomson zu addreßieren, um in Sachen durchzudringen; so wening will man es glauben, daß diese Unterredung nicht die dahin abzielende Absicht gehabt haben solte. Ich selbst weiß nicht, waß ich denken oder glauben muß: – man sprach schon vor langer Zeit, daß Tomson und Nro:5 ins geheim auf einen Endzweck hin arbeiteten. – es wird sich bald zeigen müssen, in wie weit sich diese Muthmassung bestärket. Übermorgen habe ich Euer Gnaden noch wichtigere Auftritte zu vernachrichten […] Zum heutigen Beschluß muß ich auch noch melden, daß ich in ein neues quartier eingezogen bin, nemlich in das ehemalige La Fabrique Hauß ausserhalb dem La Rosee Bogen über 2 Stiegen, in dem dermaligen Attenkoferischen Buechbinder Hauß [Residenzstraße 5], allwo ich sehr wohl logierrt bin, und vorne gegen der Hofkammer und dem Hofstall hinaus immer zwey Zimmer für fremde zu einem Abstieg quartier entbehren kann […] die aussicht von meinem Logis erstrecket sich durch das Schrammer Gässl biß an die Schäfflergasse, dann biß an den La-rosee-bogen [bei Dienerstr. 12; Stahleder 2009, S. 584], und über den Franziskanner Platz [heute: Max Joseph-Platz] biß an die Residenz […]” – Sir Benjamin Thompson, der spätere Graf von Rumford (1753-1814) war Naturforscher, Philanthrop und Volkserzieher. In Karl Theodors Diensten ließ er von Soldaten den Hirschanger, eine sumpfige Isarniederung, trockenlegen, aus dem ab Sommer 1789 der erwähnte “Militärgarten”, der spätere Englische Garten wurde. Wachsenden Angriffen einflussreicher Kreise ausgesetzt, trat er 1794 von seinem militärischen Amte zurück. – “Notus ex calamo” bedeutet “durch die Feder bekannt”. – Volltranskription liegt bei. – Äußerst selten.