Overbeck, Franz, Theologe (1837-1905).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Basel, 26. IV. 1893, Gr.-8°. 4 Seiten. Doppelblatt.

Nicht vorrätig

Beschreibung

Ausführlicher Brief an den Freund und Ägyptologen Georg Ebers (1837-1898). Overbeck lädt Ebers und dessen Ehefrau nach Basel ein und schreibt sehr ausführlich über die architektonischen Besonderheiten seines Hauses, die eine Schwierigkeit für den seit einem Unfall gehbehinderten Ebers darstellen könnten: “[…] Ich hatte wenige Stunden vorher das Joch des Semesters wieder auf mich genommen, habe nun alle Tage zu lesen und stecke in der ersten Hitze der leichtsinnig unternommenen Umarbeitung zweier Collegien und kann in den nächsten Tagen einfach nicht daran denken auf Ihre Anregung einzugehen, so merkwürdig der Zustand der Unfreiheit allein erscheinen mag, in dem man auf solche Aufforderung nicht ohne Weiteres sich einfindet. Ich will auch nichts für den Sonntag über 8 Tage verredet haben, werde mein Möglichstes thun und über das dem Zwang der Umstände etwa Abgeronnene noch rechtzeitig berichten. In zwischen mache ich natürlich gar kein Hehl daraus, dass wir Sie und Ihre liebe Frau in unserem Häuschen zu begrüssen weit lieber wäre. Der Rest von Schüchternheit mit dem ich diese Erklärung abgebe hängt lediglich daran, dass ich doch gar zu unvollkommen übersehe was Ihnen damit zugemuthet ist, ja Ihre eigenen Worte mir keinen Zweifel am Ernst der Schwierigkeiten lassen. Doch gerade was die Treppe betrifft bin ich in der Lage die Vorstellung von diesen Schwierigkeiten mindestens sehr […] Es handelt sich nur um die 4 Stufen der Eingangsschwelle, verzichten Sie nur auf Empfang in meiner Studierstube. Wir waren mit meiner Frau im Streit ob es 3 oder 4 seien, ich war eben unten und überzeugte mich dass ich wie gewöhnlich Unrecht hatte […]”. – Overbeck war nicht nur ein Freund von Georg Ebers, sondern auch und vor allem ein enger Freund und wichtiger Briefpartner Friedrich Nietzsches. Der umfangreiche Briefwechsel zwischen Overbeck und Nietzsche hat später einige Beachtung gefunden, so wählte etwa Walter Benjamin einen Brief Overbecks für seine Sammlung Deutsche Menschen aus. Overbeck und Nietzsche wohnten in Basel im selben Haus. Overbecks Werk über “Die Christlichkeit unserer heutigen Theologie” erschien gleichzeitig mit Nietzsches erster Unzeitgemäßer Betrachtung, weshalb die Freunde sich je ein “Zwillings-Exemplar” binden ließen. Die persönliche Freundschaft endete auch nach Nietzsches geistiger Umnachtung Ende 1888 nicht. Als Overbeck 1889 einen alarmierenden Brief aus Turin erhielt, reiste er noch am selben Tag dorthin und brachte den kranken Nietzsche und dessen Manuskripte in Sicherheit. Später wandte sich Overbeck entschieden gegen die Verklärung des Philosophen und die Manipulationen der Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, der er die Aushändigung seiner Korrespondenzen für ihr Nietzsche-Archiv verweigerte.