Sachs, Nelly, Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin (1891-1970).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Stockholm-Bromma, Beckomberga Sjukhus [Hospital], 8. XI. 1960, Fol. 1 Seite. Aerogramm-Brief.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Schriftsteller Rudolf Hartung (1914-1985), den Redakteur der “Neuen Deutschen Hefte” in Berlin: “[…] ‘Vor grünen Kulissen’ hat mich an vier verschiedenen Orten begleitet. Zuletzt 3 Monate in zwei verschiedenen Krankenhäusern. Nun werde ich noch in ein Erholungsheim kommen. Ich kann nicht viel sagen über die Ursache: Nur so viel daß ich mich nach einem furchtbaren Erlebnis mit Mühe das letzte Jahr aufrecht hielt auch noch in Meersburg betr. des Droste-Preises das erste Mal in Deutschland war – dann in der Schweiz und Paris bei nahen Freunden [Paul Celan] und nach dieser traumhaft schönen Reise zurückgekehrt zusammenbrach. Aber hier in Schweden tat man alles was nur denkbar und so sehe ich wieder Morgenlicht. Mit der ‘Legende des Balschem’ Kierkegaard – Novalis und Ihrem Buch das mich in der Krankheit erreichte eines außerordentlich feinfühlenden Arztes bin ich zuerst sehr gegen meinen Willen zurückgekehrt. Leben Sie wohl – ich packe nun wieder und lege ihr Buch hinein! […]” – Nelly Sachs wollte nicht zurück nach Deutschland, zu groß waren die Schatten der Vergangenheit. Auch zeigten sich Anzeichen einer psychischen Krankheit, und nachdem sie 1960 zur Verleihung des Meersburger Droste-Preises das erste Mal seit zwanzig Jahren Deutschland betreten hatte, brach sie nach ihrer Rückkehr nach Schweden zusammen. Insgesamt verbrachte sie drei Jahre in einer Nervenheilanstalt bei Stockholm. – Papierbedingt minimal gebräunt.