Sienkiewicz, Henryk, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1846-1916).

Hektographierter Brief mit eigenhändiger Unterschrift Paris, 16. XII. 1907, Gr.-4°. 3 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

Politischer Rundbrief an Maximilian Harden, die berühmte Umfrage “Preußen und Polen” über das preußische Enteignungsgesetz: “[…] Vor den Augen des zwanzigsten Jahrhunderts vollzieht sich eine unerhörte Tat, eine Verhöhnung der Civilisation, des Rechts, der Gerechtigkeit und aller jener Begriffe welche die Grundlage des Lebens und der geistigen Kultur der modernen Gesellschaft bilden. Seit lange bestand in Preussisch-Polen eine Ansiedlungs-Kommission, welche mit der Aufgabe betreut war, den Polen ihre Güter abzukaufen und an ihre Stelle die Deutschen zu setzen. Sie bezahlte jene Güter mit Geldern, zu welchen die Polen selbst als preussische Unterthanen, durch ihre Abgaben beisteuern mussten. Wenn wir zu dem noch das Martyrium der polnischen Kinder in preussischen Schulen und die neueste Vorlage eines Gesetzes, welches den Gebrauch der polnischen Sprache in polnischen Versammlungen verbieten soll, hinzufügen, so scheint es unmöglich dass die Ungerechtigkeit und die Verachtung der Gleichheit vor dem Gesetz höher getrieben werden könnten […] Als daher die ersten Anzeigen über eine Zwangsenteignung in der europäischen Presse erschienen, beurteilte man diese Vorlage allgemein als eine zügellose und wahnsinnige Elucubration einiger Fanatiker, welche nicht nur des moralischen Sinnes sondern auch des Verstandes bar sind […] Niemand wollte glauben, dass ein solches Verbrechen möglich sei in einer Gesellschaft welche sich als eine christliche bekennt und ausgiebt […] Wir wenden uns an Sie […] weil ein öffentlicher Verweis aus dem Munde eines bedeutenden Mannes wie Sie ein Verdammungsurteil sein wird der grössten Ungerechtigkeit und der grössten Schmach in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts […]” – Einige Randeinrisse alt hinterlegt. – Rar.