Taut, Bruno, Architekt und Stadtplaner (1880-1938).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Grüsse des Zeichens in Treue". Ohne Ort [Berlin], 8. XII. 1920, Fol. 1 1/2 Seiten.

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Beschreibung

An den Architekturzeichner, Maler und Dichter Hermann Finsterlin (1887-1973; Pseudonym: Prometh) über sein Weltbild: “Freund – – Prometh! Nomen est Omen, angeschmiedet zur Strafe an die Felsen der Monomanie. Dies kein Vorwurf, sondern ewig notwendiges Schicksal. Deshalb meine Bewunderung und meine Liebe zu Dir, Bergbruder. Aus Beiliegendem ersiehst Du alles […] Also: aus Deiner Erkenntnis -, die sich mit meiner deckt, ergibt sich für mich die Notwendigkeit der völligsten Objektivität der Architektur. Vin ihr aus verstehe ich erst alles, was Tiere und Menschen bisher gebaut haben. Aber bauend ist nicht die Erkenntnis, sondern das Bekenntnis, die Fassung des Quells, ‘Der Mensch’; Christus u. dgl., die ‘reine Lehre’ ist der Quell. Wir sind seine Fassung. Christus etc. lehnen die Notwendigkeit der Fassung ab, von sich aus mit Recht, aber die Existenz der ‘bauenden’ Kräfte beweist ihre Notwendigkeit für die Masse der Menschen. Für sie, für ihre Schwäche gegenüber dem ‘Chaos’, ist die Phantasie geschaffen worden. Die Erscheinung Buddha, Christus braucht sie nicht, kann sie nicht brauchen und hat sie auch nicht, d. h. in dem Sinne, in dem man sie Kunst nennt. Der Künstler baut die Brücke, formuliert im Zeichen, seine letzte Lust ist das Hineingehen in die Materie in der er ‘lebt’, jenseits von Gut und Böse, man könnt sagen: herzlos. Das Was, der Quell – das kommt nicht von ihm, nur das Wie […] Nun unser Freund [Alfred] Brust [1891-1934]. Er schrieb mir gestern ganz verzweifelt, dass er in der äussersten Not sei. hast Du vielleicht Beziehungen zu Münchener Theaterleuten? Er hat herrliche Dramen geschrieben, von denen einige jetzt bei Kurt Wolff als ‘Spiele’ [1920] erschienen sind. Sein ‘Ewiger Mensch’ [1919] (ebenfalls bei K. W. im ‘Jüngsten Tag’) ist in Halberstadt [am 12. März 1920] mit grösstem Erfolg aufgeführt worden […]”