Tiedemann, Friedrich, Anatom und Physiologe (1781-1861).

3 eigenhändige Briefe mit Unterschrift Heidelberg,, 19. II. 1832 - 25. XIII. 1833., 8°. 9 ½ Seiten. Doppelblätter.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An seinen Freund, den Breslauer Anatomen Adolph Wilhelm Otto (1786-1845). 19. Februar 1832: Tiedemann, von 1816-1849 Professor in Heidelberg, dankt seinem Freund für die Zuschrift, “aus der ich ersehen habe, daß Du und die Einigen dem morgenländischen Würgeegel glücklich entgangen seid. Jetzt erst habe ich Dich […] seit der ersten Nachricht, daß die Cholera in Breslau ausgebrochen sey. Ihr habt’s nun glücklich überstanden, aber uns steht das Übel noch bevor, und ich fürchte daß hier sie von England nach Holland wandert, und dann einen Abstecher den Rhein herauf zu uns macht […] Kommißiv habe ich schon manche Maaßgabe zum würdigen Empfang in unserem Raum getroffen […] Wenn uns die Cholera hier anschaut und sonst nichts hinderlich in den Weg tritt, so bin ich […] im Herbst nach Wien zu gehen, und freue mich […] eine Reise mit meinem lieben Otto machen zu können, und mit ihm frohe Tage zu verleben, dem mir seit wir in Hamburg waren wenige zu Theil geworden sind. Gegen des Frühjahr 1831 wurde meine […] Tochter Auguste krank, sie bekam Bluthusten und starb nach so entsetzlichen Leiden im vorigen Herbst. In der Woche, in der meine Tochter den ersten Anfall an Blutspeien hatte, starb einer meiner Schwäger plötzlich an […] Und in derselben Zeit war mein dritter Sohn tödlich krank an einem Nervenfieber. Das war eine schwere Zeit, die mich sehr niedergebeugt hat. Erholung bedarf ich schon um wieder Freudigkeit im Leben zu gewinnen […]”. – 30. August 1832: Schreibt, dass er nun doch nicht nach Wien kommen könne, da “die Choleara in Oesterreich und namentlich in Wien wieder ausgebrochen ist, und zwar heftiger als das erträumt. So lässt mich meine Frau und Kinder nicht fortreisen. Ich mag ihnen auch nicht entgegen seyn, weil Sie während meiner Abwesenheit nur Sorge und Angst haben würde. Auch ist es nicht selthsam sich weit von hier zu entfernen, würde die Cholera vierzig Stunden von hier, im Luxenburgischen und im Elsaß haust. So muß man also einen Plan schmieden laßen […]”. – 25. August 1833: “[…] Ich war dieses Frühjahr eine Woche in Paris, wo ich Säugethier-Gehirne der seltensten Art untersucht habe und zeichnen ließ. Blainville [der Zoologe Henri-Marie Ducrotay de Blainville] stellte einige hundert Gehirne, die Cuvier [der Naturwissenschaftler Fréderic Cuvier (1773-1838)] seit fünf und zwanzig Jahren hatte […] laßen, ganz zu meiner Disposition. Das war sehr nett, und gab mir Gelegenheit zu sehr intereßanten Malersitzungen […] Meinen ehemaligen Collegen Unterholzner [der Jurist u. Bibliothekar Karl August Dominikus Unterholzner (1787-1838)] danke ich schönstens für seine freundliche Einladung und grüße ihn bestens […]”. – Aus der Sammlung Ammann.