Werner, Theodor, Maler (1886-1969).

5 eigenhändige Briefe mit Unterschrift sowie 7 masch. Briefe mit eigenhändiger Unterschrift Baden-Baden, Berlin, München u. a., 25. II. 1951 bis 24. II. 1966, Verschied. Formate. Zus. ca. 20 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An eine Stuttgarter Galerie sowie an eine damit verbundene Malerin: “[…] Leider bin ich von den Strapazen der Ausstellung, die zu einem grossen Teil auch noch bevorstehen, so mitgenommen, dass ich die paar Tage, die freibleiben, benützen muss, um mich ein wenig zu erholen […] Es ist ja viel leichter, Bilder zu malen als sie auszustellen. München wird auch eine grosse Strapaze. Ich soll da einen Vortrag halten […]” – Begutachtung von Kunstblättern: “[…] Eine genaue Ortung oder Wertung ist für mich, der ich nicht Mathematiker bin, nicht möglich […] Wie von hier aus Wirkung auf die Malerei unserer Tage geschehen wird oder kann, ist schwer zu sehen. Die moderne Kunst steht vor der Frage, ob es eine nichteuklidische Ästhetik geben kann und wird, die aus nichteuklidischer Mathematik Formen erzeugen kann, die die Sinne affizieren. Ich bin der Meinung, dass dies nur möglich ist, wenn man das nichteuklidische als Voraussetzung, als Prämisse setzt und das übrige dem imaginativen, schöpferischen Prozess überlässst. Also das Schöpferische setzt das Gesetzhafte voraus und bringt durch den Prozess die neue Realität als Individuation, als Gestalt, als Kunstwerk hervor. Die Möglichkeit der den Dualismus überbrückenden unerlässlichen Duplizität beider ist gewertet durch die Prämisse des Gesetzhaften beim Künstler und durch die Prämisse des Schöpferischen beim Forschenden – lebendiges Darstellen […]” – “[…] Von freier Wahl war gar keine Rede. Ateliers gibt es in München ebensowenig wie in Berlin, wo beispielsweise 6-8 emeritierte Akademieprofessoren (u. a. Schmidt-Rottluff, Sintenis, Scheibe) ihre Dienstateliers nicht frei geben, weil sie sonst ohne Arbeitsraum wären. Atelierbau gibt es nicht – eines der Grenzsymtome des deutschen Wirtschaftswunders? […] Ich glaube nicht, dass wir durch das Überangebot an Naturschönheit aus dem Mikro- und Makrokosmos, durch Zeitraffer- und Zeitlupenfilm, durch Fernsehen, Fliegen und Unterwasserschwimmen, dem was man Kunst nennt näher gekommen sind. Dann das Kunstschöne ist etwas ganz anderes […]” – “[…] Ich werde voraussichtlich zu meinem 75. Geburtstag in Duisburg und vielleicht einigen anderen Städten eine grössere Ausstellung zeigen, soweit bei mir die Rede davon sein kann, denn das meiste ist ja doch verbrannt. Im Mai dieses Jahres macht Günther Franke hier eine Ausstellung […]” – Die wichtigste Schaffensperiode von Theodor Werner begann 1947, als er ein bedeutender Vertreter der abstrakten Malerei wurde. Er wurde Professor an der Berliner Akademie der Künste und 1956 Ehrensenator der Hochschule für Bildende Künste. Theodor Werner war 1955 und 1959 Teilnehmer der documenta 1 und 1. 1959 zog er nach München.