Zelter, Georg (Friedrich), Gutspächter, Sohn von Carl Friedrich Zelter (1789-1827).

2 eigenhändige Briefe mit Unterschrift "G. Zelter". Wobesde, 5. IX. 1820 und 3. IX. 1821, 4°. Zus. ca. 6 Seiten. Doppelblätter.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An seinen Vater Carl Friedrich Zelter. Georg Zelter bewirtschaftete das Gut Wobesde in Pommern. – I. (5. IX. 1820:) “Lieber Vater | Bis jetzt hatte ich bei mir die freudige Hoffnung genährt, von Ihnen einen freundlichen Besuch zu erhalten, in dem mir sowohl [die beiden Schwäger Johann Ludwig] Huschka als [Carl] Grundmann den Mund sehr wäßrig danach gemacht haben, indessen nun muß ich mich wohl bescheiden, es für einen angenehmen Traum zu halten, da sich der Sommer zum Ende neigt, und ich ohnedem weiß, daß sie zu Michaelis Ihr Quartier verändern, was mich der Unbequemlichkeit des Umzugs wegen für Sie sehr leid tut. Ich hatte mich so herzlich auf diesen Besuch gefreut, zumal da mir Grundmann ganz bestimmt schrieb, daß er sich Ihnen zum Reisegefährten anbieten würde. Meine Erndte ist so gesegnet ausgefallen, daß ich alle Ursache habe, damit zufrieden zu sein. Das Wintergetreide ist zwar aller Orten gut ausgefallen, aber das Sommergetreide größtenteils schlecht. Das wenige hingegen ist mehr als mittelmäßig gut. Es ist nur schlimm, daß die Preise gar zu niedrig sind, denn es erfordert alle nur mögliche Einschränkung, um ehrlich durchzukommen, da bei dieser Stockung in allen Gewerben die Abgaben auf die ländliche Production immer höher gestellt werden, um den Etat für den Staatsbedarf zu beschaffen, und dieselben deshalb einer immer währenden Veränderung unterworfen sind. Diesen ganzen Sommer bin ich mit der Regulierung der Gutshof bäuerlichen Verhältnisse beschäftigt gewesen, und habe zu dem Zweck einen Commissarius und ein Paar Feldmesser hier gehabt, was mir auch viel Unruhe gemacht hat, außerdem habe ich diesen Sommer einen sehr schweren Bau gehabt, was alles mir so viel Arbeit gemacht, daß ich manchmal meines Bleibens nicht wußte. Indeßen ich werde so Gott will dies alles überstehen, und dann künftig als Vortheil in meiner Wirthschaft genießen. Zur Vervollständigung meiner Wirthschaft fehlt mir nur noch eine Gehülfin, die das Loos dieses Lebens mit mir theilt, es hat mir aber bis jetzt noch nicht glücken wollen, diese nach meinen bescheidenen Wünschen ausfindig zu machen, ich will jedoch dies auch von der Zeit hoffen. In der Erwartung, daß nicht Unpäßlichkeit Ihre Reise zu mir gehindert hat, wünsche ich, daß Gott Ihnen recht frohe und gesunde Tage genießen lasse. Ihre Sie stets liebender Sohn […]” – II. (3. IX. 1821:) “Lieber Vater | Ich muß endlich ans Schreiben gehen, um Ihnen Nachricht von mir zu geben, da ich sie leider nicht nach Ihrem und meinem Wunsche einrichten kann. Trotz aller angewandter Anstrengung bin ich noch nicht im Stande, die auf Ostern fällig gewesenen Zinsen meines Betriebs-Kapitals zu zalen, da das Geld von Tag zu Tage behende zu werden scheint. Ich sehe zwar, daß sich meine Wirthschaft von Jahr zu Jahr bessert, ich mehr Korn haun, und einen bessern Viehstand bekomme, aber es will sich durchaus bei diesen bedrückten Zeiten nicht so schnell thun lassen, daß ich meine Verpflichtungen ganz erfüllen kann. Obgleich ich wieder eine recht gute Erndte mache, so hält es bei den niedrigen Preisen der Producte so sehr schwer, ein Paar hundert Thaler auf einmal zusammen zu bringen, um allen Termin- Zalungen zur gehörigen Zeit zu begegnen. Bringe ich es vieleicht durch schnelleren Ausdrusch zu stande, so muss ich vieleicht zu Michaelis oder Weinachten mit einer Zalung in Rückstand bleiben, und ich komme nie aus der Verlegenheit. Es ist mir leider nicht allein so, es leidet jetzt jeder an dieser Krankheit, und so lange ich nur guten Muth behalte, werde ich auch mit Ehren durchkommen, und durch muß ich ja, es kann ja nicht helfen, ich werde auch gewiß die größte Anstrengung aller meiner Kräfte nicht scheuen; haben Sie nur etwas Geduld mit mir. Die Schuld liegt gewiß nicht ganz an mir, sie liegt größtentheils in den Zeitumständen, und diese war ich ja nicht im Stande, ganz zu durchschauen. Ich würde mich ja gewiß der größten Undankbarkeit gegen Sie schuldig machen, nicht jede Kraftanstrengung aufzubieten, wenn auch nicht im Augenblick, doch mit der Zeit, alle meine Verpflichtungen gegen Sie zu erfüllen. Ich bitte Sie daher inständigst, es möglich zu machen, daß die diesjährig fällig gewesenen Zinsen noch einmal zu Kapital geschlagen werde, und ich dann erst auf Ostern k[ommenden] J[ahres] die Zinsen des ganzen Kapitals zu zahlen brauche. Ich rechne ganz auf Ihre väterliche Güte, daß Sie Nachsicht mit mir haben, und wenn es Ihnen irgend möglich ist, dies zu bewerkstelligen suchen werden. Es thut mir so unendlich wehe, daß ich so oft ihre väterliche Güte in Anspruch nehmen, und sie sogar öfter in Verlegenheit setzen muß aber sie sind ja doch die einzige Stütze die ich habe, an wen soll ich mich sonst vertrauensvoll wenden? Halten Sie mich Ihrer väterlichen Liebe werth; so wie ich bin ihr stets sie kindlich liebender Sohn […]” – Am 11. März 1827 (Brief Nr. 527) berichtet Zelter an Goethe vom Tod seines einzigen noch lebenden Sohnes Georg am 5. März und gesteht, “daß es mich diesmal hart anfaßt”: “Noch weiß ich nichts weiter als dass er am 5ten dieses zu Wobesde bei Stolpe im 38. Jahre an einer Gallenruhr verschieden ist […] Der brave Junge hat sich sechs Jahre lang in jener Wüste abgequält und nichts vor sich gebracht; wir haben mit starken Opfern geholfen […] Solch ein schöner, reiner gesunder Mann; verständig, ruhig, kindlich, fleißig und ich – ich soll nun wieder, von vorn wieder anfangen!”