Andreas-Salomé, Lou, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin und Muse von Nietzsche, Rilke und Freud (1861-1937).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Ihre alte Lou". Göttingen, "Montag" (um 1919), 4°. 3 1/2 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

Sehr inhaltsreicher Brief an die Schauspielerin Else Heims-Reinhardt, am Beginn ihrer Trennung von Max Reinhardt: „Gestern sprach ich Hedwig Kontor. und war nicht wenig betrübt, so ungute Nachrichten über Ihr Ergehen zu bekommen! […] Ueber R. denk ich so imgrunde: ob nicht in seiner schöpferischen Begabung was ist, was ihn von dorther in immer erneute Sinnesverwirrung reißt, – wissen Sie, ähnlich, wie ein Lyriker stets neue Lieben anschmachtet, die doch nur lyrische Gelegenheiten sind und seine ‚Dauergefühle‘ nicht berühren; nur daß bei R.’s schrecklicher Potenz die Dinge so leiblich ablaufen. Tatsächlich sind diese Dinge doch nicht im Zentrum seines nordischen Wesens. Ich weiß ja nichts, doch alles spricht dafür, sowohl sein Verhältniß zu Ihnen, so wie es trotz und während solcher Zeiten manchmal blieb, als auch seine Seltsamkeiten als ob er überhängt am Weibe und irrtümlich seiner Grundsensation [?]. Jedenfalls ist er eine Mengung von großen und von argen Eigenschaften, die irgendwie nicht zu trennen sein mögen. Das Furchtbare ist jedoch, daß Sie leiden, Sie sollen auch elend aussehen. Was machen wir nur, Else? […] Liebe Else, schreiben Sie mir doch noch von allem so daß ich ein Bild kriege: Oft mein‘ ich: mit R. sprechen wär gut, – ob das ginge? […]“ – Wohl auf Vermittlung Gerhart Hauptmanns hatte Lou Andreas-Salomé von 1905 bis 1908 mehrmals Max Reinhardt und seine Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin besucht, darunter auch Else Heims, seit 1910 Max Reinhardts Ehefrau. Schon 1913 lernte Max Reinhardt die 16 Jahre jüngere Schauspielerin Helene Thimig kennen, für die er im Sommer 1919 seine Familie verließ, was einen langjährigen Scheidunskampf provozierte. Else Heims-Reinhardt versuchte die Scheidung zu verhindern, Max Reinhardt erwirkte erst 1931 eine Scheidung im liberaleren Lettland, wofür er dort eine Zeit seinen Wohnsitz nehmen musste. Else Heims focht die Scheidung an, erst 1935 kam es durch Vermittlung des gemeinsamen Sohnes Gottfried zu einer finanziellen Einigung und einer endgültigen, amtlichen Scheidung von Else und Max Reinhardt. – Vgl. Ursula Welsch und Dorothee Pfeiffer, Lou Andreas-Salomé. Leipzig 2006, S. 120 f. – Spuren von Tesafilm im Falz, gelocht und mit Hinweis „Scheidung“ von anderer Hand auf Seite 1.