Goethe-Kreis – Schlosser, Sophie (Sophia) Johanna (geb. Du Fay), Gattin von Fritz Schlosser, Freundin Goethes (1786-1865).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Stift Neuburg, 30. und 31. X. 1831, 8°. 7 1/2 Seiten. 2 Doppelblätter.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An ihren Neffen Alfred Nicolovius in Berlin. Entschuldigt ihr spätes Schreiben und erkundigt sich nach dessen Befinden: “[…] Seit meinem letzten Briefe an Sie hat sich in der Welt manches geändert, oder auch nicht geändert wenn man will, da doch eigentlich nur der durch die französische Revolution [von 1830] frey gewordne Geist der Volkssouverainität, das heißt wilder Gesetz- und Zügellosigkeit immer weiter schreitet, und jedesmal, wenn es auch einmal den Anschein hat, als würde an einem Orte im eine wohlthätige Schranke gesetzt, er schon gleich wieder an einem andren spukt, bis er seine Reise um den Erdkreis wird gemacht, und alle die sich locken lassen, in den Abgrund des Verderbens wird hinunter gezogen haben. – Ich kann es nicht sagen, wie sehr dieses geist- und sinnlose Treiben mir zuwider ist, und wie wenig ich begreife, wie Menschen, die auch nur ein Körnchen Menschenverstand haben, sich so verblenden lassen […] Es ist in der That eine trostlose Zeit […] Wir genießen hier einen wunderschönen Herbst […] Von Weimar hören wir gar nichts mehr; ich kann dieses völlige Verstummen in der That nicht begreifen. Vor einigen Monaten schrieb ich noch einmal an Frau Ottilie, und bat sehr, doch nur mit wenigen Worten etwas über das allseitige Ergehen zu berichten […] Durch Frau [Marianne von] Willemer aber, die uns vor kurzem hier besucht hat, erfuhr ich, daß sie kürzlich einen Brief von dem alten Herrn [Goethe] erhalten hat, in freundlich heiterm Tone, und keineswegs zunehmende Altersschwäche anzeigend. – Wissen Sie etwas genaueres von diesem Ihnen verehrten Oheim, und den Seinen so bitte ich, es mir mitzutheilen […]” Erwähnt mehrfach die Cholera-Epedemie 1830. – Der genannte Brief von Goethe an Marianne von Willemer ist wohl der vom 22. September 1831 (Konzept in Weimar, GSA; Ausfertigung in Frankfurt, FDH). – Minimale Randschäden und geringer Tintendurchschlag.