Hofmannsthal, Hugo von, Schriftsteller (1874-1929).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Rodaun, 4. II. 1907, 8°. 4 Seiten. Doppelblatt.

2.400,00 

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Beschreibung

An Walther Rathenau, dem er ein Werk des britischen Journalisten Frederic Harrison übersendet. Hofmannsthal hatte Rathenau bei einem gemeinsamen Frühstück im Oktober des Vorjahres im Berliner Hotel Carlton kennengelernt, zu dem Harry Graf Kessler eingeladen hatte: „[…] es hat mir so viel Qualität, als sehr hochstehender cultivierter Journalismus immer haben müsste – aber ich liebe diese etwas abhanden gekommene Art, die Dinge von einem zweiten Gesichtspunkt aus mit einer anständigen Rhetorik zu behandeln – und schließlich: ich kann nicht umhin, diese Dinge ganz so zu sehen, wie er sie sieht, in dem Hauptpunkt meine ich. Es ist nicht der Mühe wert, daß Sie mir antworten. Ich werde ganz zufrieden sein, wenn ich denken darf, daß es Sie einen Augenblick freut, zu sehen, daß unsere Gespräche in meiner Erinnerung fortleben: nicht so sehr das Detail unserer Gespräche, als ein gewisser Versuch, zu dem drei so verschiedenartige Temperamente, so verschiedenartige Beziehungen uns gleichmässig geführt haben: die Dinge der Gegenwart endlich in einer weniger kurzlinigen meskinen Form auffassen zu wollen als dies ringsum geschieht, wo alle mit der Hand in den Mund leben, in der Politik, im Schreiben and so on […]“ – Hofmannsthal, der zu Beginn ihrer Bekanntschaft einen günstigen Eindruck von Rathenau gewonnen hatte, änderte seine Meinung nach Erscheinen der Rathenau’schen „Reflexionen“ (1908), die er für das Werk eines Snobs hielt. – Linkes oberes Eckchen beschädigt.