Löns, Hermann, Dichter und Naturschützer (1866-1914).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Ihr getreuer H Löns". Hannover, 16. X. 1911, Gr.-8°. 2 1/2 Seiten, auf einem Doppelblatt.

850,00 

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Beschreibung

Zornig-zynischer Brief an die Schriftstellerin Elfriede Schönhagen (verh. Rotermund, 1884-1966), über die Trennung von seiner zweiten Ehefrau Lisa Hausmann-Löns (1871-1955): „[…] ich denke, ich darf Ihnen das Bild meines kleinen Jungens senden, von dem ich seit dem 27. Heumond nicht weiß, wo er ist. Ich denke an ihn, wie an einen lieben Toten. / Ich bekomme jeden Tag Klagen, Zahlungsbefehle usw. So hat das eintönige Leben ohne Kind und Kegel doch noch seine Reize. / Die süße Gattin verlangt 4000 MM Alimente dafür, daß sie mir all mein Geld mitnahm und meine Möbel herausklagt. Ihre ganze Familie lebte früher von 3000. / […] Dazu bin ich ja geboren. Die erste Frau bekamm 2000. 125 Mark monatlich und zwei Anzüge, drei Hemden und 4 Paar Strümpfe muß man mir nach dem Gefolge lassen […]“. Nach der Scheidung 1901 von seiner ersten Ehefrau Elisabeth Erbeck (1864-1922) heiratete Löns seine Arbeitskollegin beim Hannoverschen Tagesanzeiger, die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Lisa Hausmann-Löns (1871-1955). 1906 wurde der geistig und körperlich behinderte Sohn Dettmer geboren (gest. 1968). 1909 verliebte sich Löns in Hanna Fueß, eine 20 Jahre jüngere Cousine seiner Ehefrau. Seinen Vorschlag einer Ménage à trois mit Ehefrau und Geliebter schlugen beide Frauen aus. Anfang des Jahres 1910 erlitt Löns einen Nervenzusammenbruch, hatte Wahnvorstellungen und Alkoholexzesse. Nach einem Streit am 27. Juli 1911, während dem Hermann Löns einen Schuss abfeuerte und drohte, sich und Dettmar das Leben zu nehmen, trennte sich Lisa Hausmann-Löns von ihrem Ehemann und zog nach Münster. „Es entbrannte ein monatelanger Kleinkrieg zwischen den Eheleuten, in den Polizei, Gericht, Verwandte und Bekannte hineingezogen wurden […]. Löns sperrte sich schließlich gegen jegliche Unterhaltszahlungen, so daß der Gerichtsvollzieher bei ihm erschien und sein Arbeitszimmer pfändete“ (Dupke, S. 149 f.). – Die Heimatdichterin Elfriede Schönhagen (1884-1966) verband eine enge Freundschaft mit Hermann Löns und Lisa Hausmann-Löns. – Vgl. Thomas Dupke, Hermann Löns. Mythos und Wirklichkeit. Hildesheim 1999.