Lortzing, Albert, Komponist (1801-1851).

Eigenhändiges musikalisches Albumblatt mit Notenzeile, Widmung und Unterschrift Ohne Ort und Jahr, (1839), Qu.-8°. 2 Seiten.

6.500,00 

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Beschreibung

Sehr schönes, bisher ungedrucktes musikalisches Albumblatt für den Sänger und Komponisten Friedrich Krug (1812-1892), zum Abschied kurz vor dessen Berufung nach Karlsruhe, wo Krug 1839 Mitglied der Hofbühne und später großherzoglicher Musikdirektor wurde. Reich an literarischen Bezügen. – Lortzing zelebriert den Abschied des Freundes auf vielfache Weise: auf der Vorderseite des Albumblattes mit einer Notenzeile in drei Takten, darunter der Liedtext “Wiedersehn! auf Wiedersehn! lieber Krug! lieber Krug! lieber Krug!”, darüber die Anweisung: “die Klarinetten blasen in B aus C Dur”, von Lortzing unterzeichnet mit: “Albert Lortzing, glücklicher Autor des Liederspiels: der Pole u. sein Kind, wofür ihm der Baron v. Alvensleben das Honorar noch schuldig ist und Verfasser mehrerer Singspiele, die kein Theater geben will”. – Umseitig ein inniger Freundschaftsbeweis in drei Zitaten aus der (damaligen) zeitgenössischen Literatur: “Ein gewißer Göthe sagt einmal: ‘Die Menschen sind nicht nur zusammen, wenn sie beisammen sind, auch der Entfernte, der Abgeschiedene lebt in uns fort’, und ich finde diese Worte gar nicht übel. Auch läßt sich ein gewißer Koetzebue folgendermaßen vernehmen: ‘doch sind wir fern von einander, so bleiben die Herzen sich nah, und alle, ja alle wird’s freuen, wenn Einem was Gutes geschah.’ Auch nicht übel! ja, sogar sehr applicabel auf gegenwärtige Situation. Ich für meinen Theil, werde Ihrer stets mit Achtung und Freundschaft gedenken und mich herzinniglich freuen, wenn ich höre, daß es Ihnen wohl geht. Mögen Sie, wenn Ihnen eine Melodie mit der Oberterz oder Obersexte begleitet in den Ohren klingt, meiner freundlich gedenken. ‘Liebe ist der Schatten am Morgen, er wird mit jedem Augenblicke kleiner, Freundschaft ist der Schatten am Abend, er wächst, bis die Sonne des Lebens sinkt […]”. – Zunächst zitiert Lortzing aus Goethes “Egmont” (A V, Gefängnis), dann bemüht er die 6. Strophe aus August von Kotzebues “Bundeslied” (abgedruckt in: August von Kotzebue, Gedichte. Zweyter Band, Wien 1818, S. 136 f.), schließlich folgt ein Zitat aus August Lafontaines “Rudolph von Werdenberg. Eine Rittergesichte aus den Revolutionszeiten Helvetiens” (Berlin 1797, S. 30), beginnend mit “Liebe ist der Schatten am Morgen …” – Capelle erwähnt das Albumblatt in ihrer Briefausgabe (S. 475), jedoch undatiert, ohne Abdruck und Nachweis des Standortes; als Hinweis auf die Existenz des Blattes dient ihr lediglich die Erwähnung im Autographenhandel (Cohen 116). – Die Uraufführung des Singspiels “Der Pole und sein Kind oder Der Feldwebel vom IV. Regiment” fand 1832 in Osnabrück statt mit dem Ensemble des Detmolder Hoftheaters, wurde dann aber von der Zensur verboten. Damals gab es noch keine Regelung über Tantiemen (diese wurde erst 1844 eingeführt), weshalb Lortzing regelrechte Bettelbriefe schrieb, um ein Honorar zu erhalten. L. von Alvensleben begründete 1832 die “Allgemeine Theater-Chronik”, in der Lortzing regelmäßig annoncierte. – In der Falte etwas brüchig und alt hinterlegt, Blattausriss am oberen Rand ohne Textverlust. – Vgl. Albert Lortzing. Sämtliche Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. von Irmlind Capelle, Kassel, Bärenreiter, 1995, S. 475 und 524.