Schlegel, Dorothea (geb. Brendel Mendelssohn, verh. Veit), Schriftstellerin (1764-1839).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Dorothea v Schlegel". Ohne Ort und Jahr [Frankfurt am Main, ca. Juni 1835], Gr.-8°. 3 1/2 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

An den ihr befreundeten Wiener Kaufmann Stanislaus Doré de Beauville (1796-1860), der ihr den Tod seiner Gemahlin mitgeteilt hatte, der ehemaligen Schauspielerin Franzisca, geb. Caspers, die am 18. Mai verstorben war. Sehr ausführlicher, mitfühlender Kondolenzbrief, in dem Dorothea die Verstorbene ihre „unvergessliche, liebe, liebenswürdige Freundin“ nennt: „[…] Ich habe hier eine h. Messe für die Ruhe ihrer lieben Seele lesen lassen, bey welcher meine ganze Familie zugegen. Alle Mitglieder derselben (ganz insbesondre mein Sohn Philipp) die sie gekannt haben, lassen Ihnen ihre innigste Theilnahme bezeigen. Auf Philipp [Veit] hat die liebe Franzisca immer viel gehalten, und auch er war ihr immer wie ein jüngerer Bruder zugethan. Er betrauert von Herzen ihren frühen Tod […] Ich sagte, daß uns die plötzliche Nachricht überraschte, und so ist es, obgleich ihre längere Krankheit uns schon seit einiger Zeit hätte vorbereiten sollen, sie selber auch in ihrem letzten Briefe von ihrem nahen Ende schrieb; ich hielt dies aber für eine etwas übertriebene Aengstlichkeit und baute zu sehr auf ihre immer rege Lebenskraft, die sich in jedem Worte aussprach; trotzdem daß die Freunde in Wien sehr bedenklich über ihren Zustand schrieben glaubte ich es nicht […] Meine erste Vorstellung, wenn ich an sie denke – und dies geschieht täglich – ist immer wie sie thätig, heiter, und die Seele ihrer Umgebung in ihrem häuslichen Kreise, unter den Freunden sich bewegt, und nur eine zweite Reflexion führt mir den unersetzlichen Verlust vor die Erinnerung […] wie waren die selten sich zusammen findenden Eigenschaften des Geistes, des Herzens, der Ausbildung, der Treue, Heiterkeit, Güte, Anmuth, und wahrhafte christliche Frömmigkeit in dieser liebenswürdigen Seele vereinigt! […] Gott erhalte Sie gesund, lieber Stanislaus […] und lasse Ihnen in Ihrer lieben Marie [seiner Tochter, 1827-1896, verh. 1863 mit Leonhard Stankiewicz von Mogila] die Erneuerung der Freude des Lebens finden. Ich denke sehr oft an dieses liebe Kind, von deren Anmuth und vorzüglichen Geistes Gaben, ich noch kürzlich durch Frau v. Walter und ihren Töchtern viel erwünschtes hörte […]“. – Die verstorbene Franzisca Caspers gehörte 1800-02 dem Weimarer Hoftheater an, wo sie Goethes Beifall fand. Dorothea war eine Tochter Moses Mendelssohns und in zweiter Ehe mit Friedrich Schlegel verheiratet. – Anrede und Unterschrift des Briefes von zeitgenöss. Hand erläutert.