Schücking, Levin, Schriftsteller (1814-1883).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Münster, 20. I. 1860, Gr.-8°. 2 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Verleger Wilhelm Langewiesche in Barmen mit Dank für dessen Brief vom 5. Januar: “[…] Mir scheint, daß man im Princip nichts gegen eine Umdichtung der alten Volkslieder einwenden kann. Unsere alten epischen Stoffe u.s.w. haben ja auch immer von Zeit eine Umdichtung erfahren, die darauf ausgehen, dem überlieferten Inhalt eine neuere zeitgemäßere Form zu geben; so z. B. alle Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Gottfrieds von Straßburg und der Anderen. Es kommt nur auf das Wie an, und da scheint mir der Autor des mir freundlichst übersandten Büchleins den rechten Ton wohl getroffen zu haben. Namentlich da, wo es sich um Lieder rein lyrischen Charakters handelt. Weniger bei den Gedichten, die einen mehr erzählenden Charakter haben; hier ist die Umdichtung zuweilen nicht energisch genug zu Werke gegangen […] Die Kritik wird über das Unternehmen freilich nicht ganz einhellig sein. Die Verehrer des Alten werden gute Gründe dagegen entwickeln. Aber die Umdichtung soll ja die alten Schätze nicht rauben nicht untergehen machen, und wie ich den Verfasser verstehe, will er auch nur diejenigen alten Poesien so umgearbeitet wissen, daran Lückenhaftigkeit und das Sprunghafte der Form es zum Bedürfniß machen für den weniger Gebildeten, der den ächt poetischen Gehalt aus der wüßten Einkleidung nicht herauszufinden weiß […]” – Gemeint ist das Buch: Reinhard Wager und Ernst Kleinpaul, Über Volkspoesie und Umdichtung. Nebst umgedichteten Liedern, Barmen 1860. – Eckfehlstelle und kleine Flecken und Randschäden.