Schummel, Johann Gottlieb, Schriftsteller und Pädagoge (1748-1813).

264,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift und langer Nachschrift seines Sohnes. , Ohne Ort und Jahr [Breslau ca. 1790], 4°. 2 1/2 Seiten. Doppelblatt.

Vorrätig

Beschreibung

An seinen Sohn: „Mein lieber Sohn, | Ich habe Deinetwegen mit Herr Reichen eine Unterhaltung gehabt. Dieß hat mich auf die Idee gebracht, Dich einmal auf die Probe zu setzen, ob Du wohl im Stande bist, eine ganze Stunde von H. Reichen zu behalten und niederzuschreiben? Ich wähle dazu die letzte Mondtagsstunde. Mache also erstlich eine Beschreibung von den verschiedenen Thermometer-Scalen; dann aber zeichne und beschreibe recht ausführlich und verständlich die Art und Weise, wie in den Egyptischen Tempeln die Thüren sich von selbst aufzuthun schienen. Ich hoffe, Du wirst heut Nachmittag damit sehr bequem fertig werden; morgen will ich von Deiner Arbeit Gebrauch machen | Dein treuer Vater Schummel.“ Der Sohn hat die Aufgabe des Vaters aufs Beste ausgeführt und über beide Gegenstände wunschgemäß auf zwei Seiten und mit einer Konstruktionszeichnung im Text berichtet („Es giebt 4 Skalen. Die erste ist die Reaumursche, welcher vom Gefrierpunkt an bis zum Siedepunkt 80 Grade zählt, und vom Gefrierpunkt anfängt; die 2te ist die Fahrenheitische […] Die Aegyptischen Priester benutzten die Ausdehnung der Luft durch das Feuer, um das Volk zu täuschen […]“). – Schummel ging 1788 als Prorektor und Prof. der Geschichte an das Elisabeth-Gymnasium in Breslau. Seit 1789 war er auch Inspektor des dortigen Lehrerseminars, lehrte an der Artillerie-Akademie und wirkte an staatlichen Schulprogrammen mit. Er trat seit Anfang der siebziger Jahre als Autor von Romanen, Lustspielen und Jugendbüchern hervor. In seinen pädagogischen Schriften bekannte er sich zunächst zum Philanthropismus; später forderte er praxisorientierte Reformen, so in seinem vor allem als Personalsatire rezipiertem Hauptwerk „Spitzbart. Eine komi-tragische Geschichte für unser pädagogisches Jahrhundert“ (1779).