Ziesel, Kurt, Schriftsteller (1911-2001).

165,00 

Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift „Kurt“. Salzburg, 15. X. 1951, Fol. 1 Seite.

Vorrätig

Beschreibung

An den Kritiker Heinz Grothe (1912-1983): „[…] Mein Verlag ist sehr großzügig in Bezug auf Besprechungsexemplare und Werbung, allerdings nur hierin. Die ersten Besprechungen in Österreich sind nun da, recht verrückt, aber sehr ausführlich und das ist ja heute schon viel wert […] Dem Echo bei der Schwäbischen nach zu schließen, scheinen die Leser ja schwer begeistert […] Ja, Bertelsmann. Ich bin doch dort so mit Wixforth, einen der Öbersten, befreundet, aber da scheint eine ganz miese Klique zusammen zu sein, die nach seltsamen Gesichtspunkten wirtschaftet […] Mich hat gar plötzlich etwas Absonderliches gepackt und ich sitze bereits mitten in der Arbeit zu einem neuen Roman, etwas ganz anderes. Die Idee kam mir bei einer Bemerkung in Jüngers ‚Strahlungen‘. Es heißt dort u. a. ‚Das Ghetto von Litzmannstadt ist abgeschlossen – in anderen kleineren Städten gibt es auch solche, die nur aus einigen Straßen, in denen Juden wohnen, gebildet sind. Dort sollen jüdische Polizisten, die mit der Ergreifung von Opfern beauftragt waren, auch deutsche oder polnische Passanten, die durch das Ghetto kamen, ergriffen und abgeliefert haben, ohne daß je wieder etwas von ihnen gehört wurde. Insbesondere wird das von Wolgadeutschen behauptet, die dort auf Landzuteilung warteten. Natürlich beteuerten sie ihren Henkern, daß sie nicht Juden wären, doch wohl nur um zu hören: das hat noch jeder hier gesagt.‘ ‚Daniel in der Löwengrube‘ heißt das Buch derweil, das aus dieser Notiz wächst und es ist in seiner Konsequenz so ungeheuerlich, daß es mir oft den Schweiß ausbrechen läßt, dieses Urphänomen der Angst, an diesem typischen Fall unseres Zeitalters demonstriert, der Sturz ins Kollektiv und die Erlösung darin durch die individuelle Haltung […]“ – Kleine Randschäden. – Mehrere Beilagen, dabei eine Porträtphotographie (18 x 12 cm).