Zweig, Stefan, Schriftsteller (1881-1942).

Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift “Stefan Zweig”. Wien, 10. VII. 1915, Gr.-4°. 1 1/2 Seiten. Briefkopf mit Monogramm nach E. M. Lilien.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Übersetzer Heinrich Horvát in Budapest: “[…] Ich wollte Sie in diesen Tagen gerade darum bitten, mir das Manuskript Ihrer Übertragungen zu schicken. Meine Absicht war es, dem Inselverlag zu empfehlen und ihn darauf hinzuweisen, wie wichtig auch in politischer Beziehung es wäre, jetzt die ungarische Kultur in Deutschland propagiert zu haben und andererseits dort das Gefühl zu erwecken, dass man ihnen in Deutschland freund ist. Aber ich glaube, inzwischen etwas Besseres gefunden zu haben. Wie ich seit langem weiß, wird jetzt im Inselverlag eine kleine, ganz billige Serie österreichischer Schriften unter Leitung von Hugo von Hofmannsthal erscheinen. Nirgends passt diese Anthologie ungarischer Lyriker so gut hinein wie in diese Serie und ich glaube auch, dass Hofmannsthal, wenn Sie ihm diesen Gedanken in seiner ganzen kulturellen und politischen Tragweite ein wenig erörtern, sich gewiss dafür aufs lebhafteste einsetzen wird. Ich hätte ihm selbst davon geschrieben, aber meine persönlichen Beziehungen zu ihm sind nicht die allzu glücklichsten und andererseits den Band dem Inselverlag vorzuschlagen und ihn zu übergehen, schiene mir peinlich. Ich würde Ihnen darum sehr raten, sich mit einem Brief an Herrn von Hofmannsthal zu wenden, ihm vielleicht ein paar Proben beizulegen, denn gerade das Erscheinen in einer billigen Serie würde erst dem Buche die Sache voll erfüllen. Sollten Sie Hofmannsthals Zustimmung für diesen Plan nicht finden, so werde ich sicherlich an anderer Stelle das Buch durchsetzen können. Es freut mich ungemein, dass Sie das Buch vollendet haben. Ich halte es für sehr notwendig und vielleicht erzielt es auf seinem Wege, was unsere Innenpolitiker durch Jahre nicht vermochten: gegenseitiges Vertrauen und geistige Kameradschaft […]” – Horváts Anthologie “Neue ungarische Lyrik in Nachdichtungen” erschien dann 1918 bei Georg Müller in München. – Zweig hatte als literarischer Berater des Insel-Verlags bereits 1912 die “Insel-Bücherei” initiiert, der 1915-17 unter der Leitung Hofmannsthals die “Österreichische Bibliothek” an die Seite trat. – Leichte Altersspuren.