Birch-Pfeiffer, Charlotte, Schauspielerin und Schriftstellerin (1800-1868).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Berlin, 21. XI. 1847, 8°. 8 Seiten, auf zwei Doppelblättern mit blindgeprägtem Monogramm "CBP", Siegel und kleiner Fehlstelle (Siegelausriss), umseitig adressiert.

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Beschreibung

An die Schauspielerin Louise Neumann. „[…] Dank […] Dir Du Getreue, für Deinen Brief – für Euer beider schöne Leistungen, für alles was ihr für meine Sache gethan, […] Für den Erfolg in Wien hatte ich keinen Augenblick gezittert – ja, ich war trostlos daß dieser nicht 8 Tage früher den Berlinern zur Richtschnut werden konnte u. nun danke ich Gott dafür. Denn ich kann nur danken, wenn sie mich dort herunterschmeissen werden. Zwar hatte ich drei Nächte nicht geschlafen vor Angst […] Alle standen aus Fieber am 19. vor dem überfüllten Haus u. alle Erfolge die ich je in Berlin erlebt[…] verschwinden gegen diese felerhafte […]die Dorf- u. Stadt hervorbrachte! Es war wie ein Zauber der das Publikum ergriffen hatte – mach dem 2., 3., 4, u. 5. Akt […] (Sörig – meisterhaft als Lindenwirth!) […] Das aber genügte noch nicht, das Unerhörte ist hier geschehen – die Stich wurde nach ihrer Scene mit […] (Felmit) auf die Scene gerufen, u. meine Wenigkeit […] Ihr könnt Euch an den Enthosiasmus der sich bis zum Schluß hält keine […] nehmen als ich heim kam, war ich an Freude wie geschlagen […] sagte ich, was muß erst Wien dazu sagen, das gemüthlich, das […] Wien, wo die Louise […] ist. Da haben wir es: Wi ein bitterer […] fielen die zwei Briefe, die […] begleiten in mein […] – dann – obgleich ich der Reich das Zeugnis geben muß, daß sie das ungeheure Glück, das sie zum ersten Mal in ihrem Leben in der Art machte, wohl verdiente, daß sie das […] auf eine Weise, mit eisernem Fleiß bei mir u. dem Mädler lernte, daß sie […] gut spielte, so weiß ich doch was Du bist u. was […] aus der Rolle machten. Die Stich ist nur ein Talent u. hat gerade im letzten Akt Außergewöhnliches hervorgebracht! Ic h kann es nicht glauben – das Stück muß durch Euch zur Geltung kommen, wenn man ihm nicht den Lebens[…] herausgeschnitten hat. Es ist mir unmöglich Rollen zu schreiben, denn ich kann mir mehr denken u. spechen u. das für ein […] Werk […]: Dorf und Stadt sein, wenn man 37 Seiten oder gar Blätter herausstreichen könnte, ohne daß es in Stücke zerfiele. Streichen u. streichen ist zweierlei – wir haben es auch gestrichen, aber so kann kein wohlorganisiertes Ganzes zerschnitten werden, ohne daß die Motive der Handlung leiden u. wenn ich erst denke, daß die ganze […] herauskam, also ganz neue […] verrichtet werden, ganz die schöne […] die im Augenblick das Rechte trifft, wo sich ihr sittliches Gefühl verzährt, (eine Scene, mit der die […] das […] machte, daß sie zum ersten Mal in Berlin auf die Scene gerufen wurde!) weggeworfen ist, so könnte ich weinen: Wer kann denn für die Burg schreiben, wenn sie die Poesie in den, […] Schuh der Zeit zwingt? Bei uns spielte das Stück den ersten Abend 3 1/2 zudem eine große Geburtstag – Rede, wie üblich, vorher eine Viertelstunde […] Drei Stunden muß man haben zu einem fünfaktigen Stück u. wenn auch Einige gehen um den Hausmeister nicht […] wenn die Sache gut ist – bleibt doch der größte Theil u.[…] sie schimpfen über die Länge, als über das Stück! Zudem sie sich nicht die […] gefallen lassen, die bis nach 10 Uhr spielte u. kommen doch wieder. Du mußt ja eine Menge Deiner besten Sachen verloren haben, u. die Mutter auch. Ich könnte weinen um jedes Werk das Du nicht spielst, obgleich ich mich ins Streichen ergeben habe […] Da ist wohl die Gräfin auch ein Gerippe geworden […] wenn ich einmal wieder was für Dich schreibe, so mache ich ein kleines Stück, daß ich wenigstens weiß, daß Du spielst, was ich für Dich gedacht und gewollt. Dann kann uns wohl ein Baumfeld […] Stücke, die den Abend in Berlin nicht füllen […] Deutschen Bürgern mußte man etwas geben, denn die Berliner wollen spät heim. Nun, wenn Ihr das Stück in der Gestalt auf den […] so haben möcht, so ist es lediglich Euer […] das der […] den […] spielt. Ich kann mir die Frau Mala ganz als […] denken, denn ich will weder Theaterdirektor werden […] wenn wir die Rollen nicht Beide so spielen, als wären wir aus einer Kanone geschossen: Auch ich habe das […] mit gemacht u. zehnmal mehr, als ich zu der Rolle […] sie wuchs mir unter der Hand, ist dirs nicht auch so gegangen Male? Erst an der Wirkung merkte ich, daß ich doch eigentlich auch eine Prachtrolle gemacht habe. […] jetzt wünsche ich es nicht mehr so, denn ich weiß, daß es mir das Herz zerreißt, wenn ich all die Sachen, die ich ordentlich von Dir schon hörte, nicht […] Und wie schlimm ist es auch für das Gestirn – so laß ich das Stück nicht verkaufen, da müsstest Du ja alles nachlernen: Nun – Gott behüt Euch Ihr treuen Seelen – ich hoffe der Mutter hat ihr […] mit der Grippe nichts geholfen, u. […] spielt […] fort, denn man schreibt mir am 19.: Heute ist die letzte Vorstellung, also läßt sie uns nicht in Stich. […] einzigen Dank, Ihr Braven, schreibe bald wieder Louise, ich beschwöre Dich, denn es bricht mir das Herz, wenn sich das Stück nicht hielte: – […] Ich schließe den Brief heute, den 22. u. bin vor Freude so angegriffen, daß ich fast nicht die […] halten kann. Wenigstens aber so viele Menschen, als sich gestern ins Sch-haus stopfen ließen, mußten ohne Billets zurückgewiesen werden, der Andrang war fürchterlich. Der Jubel, wenn möglich, noch großer als am Freitag – die Menschen sind wie […] – wolle Gott, daß es bei Euch auch so gehe, damit Ihr u. der gute Graf sich nicht umsonst so viele Feinde auf den Hals geladen, als ich in Wien habe […]“ Charlotte Karoline Birch-Pfeiffer war eine deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin. Am 13. Juni 1863 feierte Birch-Pfeiffer ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Zu diesem Anlass erschienen dann die ersten Bände ihrer Gesammelten dramatischen Werke.