Burckhardt, Carl Jacob, Historiker und Diplomat (1891-1974).

480,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Ohne Ort (Vinzel, Kanton Waadt), 26. I. 1944, Gr.-4°. 1 1/2 Seiten. Lateinische Schrift.

Vorrätig

Beschreibung

Verzweifelter Brief an Helene oder Marianne Langewiesche: „Dass wir mit Superlativen überfüttert sind ist so gewiss, wie die Tatsache, dass wir Theorien und Suggestionen verfallen wie unterernährte Stadtbevölkerungen den Seuchen. Aufspringen, abspringen von diesen durch die Nacht unserer Zeiten ziehenden Chimären, das ist die Fähigkeit der Generation, für lauter Wahn, bringt man sich -, um alles was man hat, und am leichtesten ums Leben. Jene Zeiten, die ich 1934 […] zu schildern versuchte waren noch gebunden in einer festen Sitte, was das heisst können wir uns gar nicht vorstellen, denn wir kennen nur noch die Grenze die durch die Gewalttätigkeit des Menschen, oder die Gewalt der Umstände gesetzt sind, alles andere ist im Fluss. Da ist es denn ein Trost und eine Freude, wenn in dieser mit Wirrnis erfüllten Einöde eine Stimme zu einem dringt, eine gütige, spontane Aussprache, ein Freundeswort. Nehmen Sie meinen ergebensten Dank! Bücher, zweite Bände, neue Werke: Seit 1937 bin ich aus allen meinen Bestrebungen herausgerissen, ich kann seit 39 kaum je mehr eine Feder zur Hand nehmen, wir arbeiten hier an dieser Sisyphosaufgabe der Hilfeleistung innerhalb dieser jeder Hilfe widerstrebenden, sich selbst zerstörenden Welt […]“ – Burckhardt übernahm 1941 den Vorsitz der im Juli des gleichen Jahres gegründeten Gemeinsamen Hilfskommission der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften.