Mann, Thomas, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1875-1955).

1.750,00 €

Maschinengeschriebener Brief mit Eigenhändigen Korrekturen und Unterschrift „Thomas Mann“. Erlenbach-Zürich, 14. IV. 1953, Fol. 2 Seiten. Briefkopf. Mit masch. und frankiertem Umschlag.

Vorrätig

Beschreibung

An den Schriftsteller Wolfgang Schneditz (1910-1964) in Salzburg: „[…] Haben Sie vielen Dank für Ihren freundlichen Brief vom 6. des Monats, in dem Sie mich an die damals erhaltenen Bilder erinnern. Ich habe den Empfang der Sendung wohl niemals bestätigt, weil es viel Trubel mit unserer Einrichtung gab, und weil ich dann an einer recht schweren Grippe erkrankte, deren Folgen mir sogar noch heute etwas zu schaffen machen. Darüber habe ich auch versäumt, den Betrag für die Bilder einzusenden und ergreife die Gelegenheit, ihn diesem Brief beizulegen mit der Bitte um freundliche Weiterleitung. Auch Ihren Weihnachtsgruss habe ich damals, noch im Hotel Waldhaus Dolder, erhalten und wir haben uns an dem Bild Ihres Töchterchens erfreut. Meine Adresse ist nun die obige. Es hat mir Freude gemacht, zu hören, dass Ihnen das in der ‚Rundschau‘ erschienene Krull-Kapitel gefallen hat. Es war ja nicht viel damit, aber ich hatte nicht anderes, einigermassen Geschlossenes anzubieten. Unterdessen habe ich die Frauennovelle, nach der Sie sich freundlich erkundigen, abgeschlossen, und sie wird in ein paar Fortsetzungen, beginnend in der Mai-Nummer, im Münchner ‚Merkur‘ vorabgedruckt werden. Die Unterbrechung im Roman war wieder lang, jetzt sitze ich aber wahrhaftig wieder über dem alten Material zum „Krull“ und suche weiter zu kommen. Hoffentlich sind Sie unterdessen in den Besitz von ‚Altes und Neues‘ gekommen, was mir natürlich wichtig ist für den Aufsatz, den Sie planen. Das Vergnügen an dem Band, der ja fast autobiographischen Charakter hat, ist mir etwas verleidet durch eine Reihe dummer Druckfehler, mindestens in seiner zweiten Hälfte. So wird denn der ‚Nachlassverwalter‘, den ich nicht bemühen wollte, später doch noch etwas zu tun haben. Ich wusste nicht oder hatte vergessen, dass Sie über ‚Das Bild der ägyptischen Landschaft im Joseph-Roman‘ geschrieben haben, und ich bin froh zu hören, dass die Arbeit nicht umsonst getan sein soll und dass die ‚Neue Rundschau‘ sich dafür interessiert. Auf Ihre Frage Salzburg betreffend wird es mir schwer zu antworten. Ich habe für den Mai-Juni einige Reiseverpflichtungen, nämlich nach Rom, Cambridge und wahrscheinlich Hamburg. Danach wird mein Ruhebedürfnis wahrscheinlich wieder gross sein, und ob es dieses Jahr zu einem Besuch in Salzburg kommen wird, ist sehr zweifelhaft. Wieder nach Gastein zu gehen, haben wir ohnedies nicht vor, da der Aufenthalt mich das letzte Mal zu sehr angestrengt hat und ich die Bäder aufgeben musste. Ich hoffe Sie wohlauf und in befriedigender Tätigkeit. Man findet schon einmal wieder irgendwo zusammen […]“ – Mit dem „Krull-Kapitel ist gemeint: „Neues aus den Bekenntnissen Felix Krulls (‚Die Verabredung‘)“. In: Neue Rundschau. Jg. 63. (1952), H. 4, S. 473-92. Ebenfalls als Vorabdruck waren in derselben Zeitschrift die Kapitel „Reise und Ankunft“ und „Cirkus“ erschienen. Über die Wiederaufnahme des „Krull“ vgl. Manns Brief vom 11. April 1953 an Max Rychner (Briefe III, S. 292).- „Die Betrogene“ erschien von Mai bis Juli 1953 Im „Merkur“, Stuttgart, und im September 1953 bei S. Fischer. – „Altes und Neues. Prosa aus fünf Jahrzehnten“ erschien 1953. – Der erwähnte Aufsatz von Schneditz erschien in den „Neuen Rundschau“ im Herbst 1953, Jg. 64, S. 314-18. – Mann war in Rom von 20.-30. April 1953 (ihm war von der „Academia Nazionale dei Lincei“ der Internationale Antonio-Feltrinelli-Preis verliehen worden. Privataudienz bei Papst Pius XII.), in Cambridgeam 4. Juni 1953 (Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Cambridge) und in Hamburg von 7.-9. Juni 1953 (Ansprache und Krull-Lesung an der Universität). – Druck: Jb. d. Wiener Goethe-Vereins (1968).