Beschreibung
An den Theologen Helmut Thielicke (1908-1986). – I. (6. IV. 1960): „[…] Dank für Ihr Trostbüchlein. Es ist für mich, und wohl auch für manchen anderen, zugleich eine Bestätigung. Ich komme aus Singapur zurück, gedachte dort auch unseres unvergessenen Werner Traber, der uns damals diese schöne Reise spendete […]“ – II. (27. I. 1962): „[…] Banines Bekehrung scheint zu halten. Ich überlege, ob ich dafür nicht zum Islam übertreten soll. Zwei Religionen sollte man haben – eine, die durch strenge Gesetzesfolgung gutes Gewissen und physisches Wohlbehagen schafft, und eine andere, die dem metaphysischen Menschen volle Freiheit im Modus und in der Rangordnung der Annäherung lässt, wie die fernöstlichen Universallehren. Aber diese Zweite schafft man sich selbst. Das Nebeneinander von Qualitäten, das Sie an ‚Strahlungen‘ schockiert hat, gehört zu unserer Welt, ihrer Optik, ihrem Stil. Es kommt ein atomarer Durchschuß in die Kontradiktionen; der Papst erscheint zwischen zwei Bildern der Wochenschau. Auch ich begrüße, daß es mit Nebel wieder gut geht. Die Entfremdung lag ja weniger an mir als daran, daß er sich für mich zu stark passioniert hatte. Das bringt immer Gefahr. Spinoza hat darüber einige gute Bemerkungen gemacht – wie jene, daß die Liebe stärker wird, wenn Haß ihr vorausgegangen ist […]“ – Gemeint ist die mit Ernst Jünger befreundete Schriftstellerin Umm-El-Banine Assadulajew (1905-1992), die zum Katholizismus konvertiert war. Aufgrund einer Kritik Gerhard Nebels (1903-1974) über ‚Heliopolis‘ kam es zum vorübergehenden Bruch der Freundschaft zwischen den beiden, der bis 1960 andauerte. – III. (2. I. 1983). Ernst Jünger hatte den Goethepreis der Stadt Frankfurt erhalten: „[…] Erst heute finde ich Muße, Ihnen dafür zu danken, daß Sie im Rückblick auf die Paulskirche als Zensor gewirkt haben. Mir war entgangen, daß dort die Hochprominenz fehlte, hätte mich nicht die Kritik darauf aufmerksam gemacht. Im überfüllten Saal hatten sich Freunde versammelt – das ist mir wichtiger als das Protokoll. In Fällen wie diesem geht es mehr um den Kragen und die Litzen, um einige Pfiffe und hämische Zeitungsartikel – man kann sich vorstellen, wie es war, als es um den Kopf gegangen ist. Andererseits lernt man Einzelne kennen wie den Frankfurter Oberbürgermeister Wallmann, der wusste, was seines Amtes war […]“ – Beiliegend ein Typoskriptdurchschlag mit Aufzeichnungen von General Hans Speidel (1897-1984) über Ernst Jünger in Paris und dessen Friedensschrift (dat. Freudenstadt, 2. IX. 1946, 3 S.).






