Beschreibung
An den Schriftsteller Wolfgang Schneditz (1910-1964) in Salzburg: „[…] Gewiss habe ich Ihren Aufsatz über die Joseph-Tetralogie und ihre Landschaft gelesen und mich herzlich daran gefreut. Ihre Worte haben mich zurückversetzt in jene Arbeits-Epoche, die so turbulent und beständig gestört von aussen war und in der doch etwas zustande gekommen ist, was Mancher für mein Höchsterreichtes hält. Ich bin auch froh, dass Sie sich zur ‚Betrogenen‘ interessiert und sympathisch verhalten. Das Buch wird vielfach als geschmacklos empfunden, aber das scheint mir doch eine primitive Reaktion. Mit ‚Mrs. Stone‘ ist die Erzählung kritisch, in einem anderen Sinn wie von Ihnen, zusammengestellt worden, was mir gleichfalls nicht gefallen wollte. Es ist eine erschütternde Geschichte, die Sie mir von dem Tod Ihrer jungen Freundin erzählen. Ein ganz anderer Fall natürlich, aber er hat mich im Zusammenhang mit dem Schicksal der armen Tümmler doch bewegt. Ich arbeite wie ein Pferd an den Krull-Memoiren, von denen ich bald einmal, wohl nächsten Frühherbst, einen Band herausgeben möchte. Schliesslich habe ich es mit dem ‚Joseph‘ nicht anders gemacht. Nehmen Sie und Ihre liebe Frau alle guten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr! […]“ – „Die Betrogene“ – ihr Name ist Rosalie Tümmler – wurde überwiegend negativ rezensiert. Die klinische Akribie, mit der der Tod der Heldin beschrieben wird, wurde vielfach als geschmacklos empfunden. Thomas Mann selbst äußerte sich mehrmals unzufrieden, ja mißmutig über die Novelle. – Mit „Mrs. Stone“ ist gemeint: Tennessee Williams, Mrs. Stone und ihr römischer Frühling (The Roman Spring of Mrs. Stone), Frankfurt a. M., 1953. Daß „Mrs. Stone“ und „Die Betrogene“ miteinander verglichen wurden, liegt eher daran, daß beide Bücher im selben Jahr im selben Verlag erschienen sind. – Druck: Jb. d. Wiener Goethe-Vereins (1968).








