Beschreibung
An den Fabrikanten Ruprecht Weise (geb. 1914): „[…] Ich habe mich schrecklich gefreut, Ihren Vater so frisch und – bis auf die Magendiät – unverändert bei uns zu sehen. Er erzählte, daß Sie mit Kunsthändlern in Verbindung stehn, wegen des Verkaufs eines oder des anderen Bildes von E. L. Kirchner. Ich komme gerade aus Mannheim. Die dortige Kunsthalle, bekannt wegen ihrer Franzosen-Sammlung, such einen guten Kirchner der mittleren Zeit. Ich schreibe Ihnen dies, weil Sie über den Kunsthandel meist sehr viel einbüssen und ich Dr. Passarge, den Museumsleiter als einen korrekten und zuverlässigen Charakter seit langem Kenne. Ihrem Vater kann ich dies nicht ohne Risiko nach Halle schreiben, vielleicht wissen Sie einen gefahrlosen Nachrichtenweg […]“ (13. XI. 1951). – „[…] Ich hätte grosse Lust, die Zeichnung von Giebichenstein zu kaufen, aber bin z.Z. nicht finanzkräftig. Sie müsste ja nach Halle! Aber am Museum macht die Währung wohl den Kauf unmöglich. Und Ihr Vater hätte gewiss auch grosse Freude an diesem Bild von der alten Burg. Wissen Sie Rat? […].“ (27. I. 1956) – Ruprecht Weise ist der Sohn des Fabrikanten und Kunstsammlers Felix Weise (1876-1961), der mit vielen expressionistischen Malern befreundet war und seine bedeutende Sammlung über die Zeit des Nationalsozialismus rettete. 1949 wurde das Maschinenbau- und Pumpenunternehmen in Halle von den sowjetischen Besatzern enteignet. Ruprecht Weise führte den Familienbetrieb zunächst in Stuttgart, dann in Bruchsal weiter. Der Familiensitz, die Villa Weise in Halle, steht heute unter Denkmalschutz. Teile der Kunstsammlung von Felix Weise gelangten mit Hilfe Lothar Günter Buchheims in den Westen. Die Familie führte später einen jahrelangen Rechtsstreit mit Buchheim über die Restitution der Leihgaben, darunter auch Kirchner-Gemälde.








