Weiß von Starkenfels, Viktor, Politiker (1817-1886).

250,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Bujucdere (Türkei), 15. X. 1856, 8°. 4 Seiten. Doppelblatt.

Vorrätig

Beschreibung

Humorvoller Brief von Weiß von Starkenfels aus seiner Zeit in Konstantinopel, wohin er 1853 als Legationsrat kam. „Verehrtester Herr u. Freund. Wenn nicht Herr Stratford wäre oder es keinen Hosenbund-Orden gäbe müsste ich Ihnen den beiliegenden Brief wieder mit der einfachen Bitte überschicken, ihn an seine Adresse zu übermitteln. So aber kann ich Ihnen von der grossen Tages Neuigkeit schreiben, dass alle Schwierigkeiten, die sich betreffs der Übergabe des dem Sultan zugedachten Hosenband-Ordnens u. des dabei zu beachtenden Ceremoniels erhoben hatten glücklich beseitigt wurden. Anfangs wusste man nicht, wie man seiner türkischen Majestät das Hosenband anlegen sollte, da der Sultan, der krumme und schwache Beine hat, sich zu kurzen Hosen nicht verstehen wollte. Man war auf die Idee verfallen ihm die weiten Beinkleider zu lassen u. nur auf einem Fusse sollte er lange Strümpfe haben. Das Beinkleid sollte dann im feierlichen Momente in die Höhe gestreift u. das Band unter dem Knie befestigt werden. Der feste Wille des Sultans legte eine glänzende Probe ab u. die Idee das Band am Fusse anzulegen, wurde aufgegeben. Kam dann die Schwierigkeit mit der Colande die zu empfangen u. sich umzuhängen zu lassen, der Sultan das Haupt neigen musste, was gegen die Würde verstiess. Man meinte der Überbringer könnte auf ein Tabouret steigen; dann wäre er aber wieder höher als der Sultan was nicht anging. Nach vielem Hin- und Herrathen kam man überein, dass der Orden auf einem Kissen bloss eingehändigt werde. Die Übergabe kann aber noch nicht stattfinden weil Lord Stratfords neue Uniform u. die Livrée für die Dienerschaft, welche erstere er sich bei dieser Gelegenheit als stehende Einrichtung für das Botschaftspalais erbat noch nicht eingetroffen sind. Da haben Sie was Pera diese Woche beschäftigte, u. mehr moquirte als die Schiffe vor Neapel, Geldkrisen u. anderes Unheil. Ich würde mich sehr freuen, wieder ein Mal ein paar Zeilen von Ihnen zu erhalten. Mit meinem besten Dank zum Voraus für gütige Besorgung der Einlage u. mit freundschaftlicher Hochachtung Ihr ergebenster Weiß.“ – Mit eigenh. Umschlag „Sr. Hochwohlgeboren Herrn Carl von Jeckel kais. Rath, Zahlmeister im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten Wien“. – Mit rotem Sammlungsstempel.