Kotzebue, (Anna) Christine (Christiane), geb. Krüger, Mutter von August von Kotzebue (1736-1828).

750,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift „C. Kotzebue“. Weimar, 24. XII. 1812, Kl.-4° (19 x 13,5 cm). 4 Seiten. Doppelblatt. Grünliches Papier.

Vorrätig

Beschreibung

Über den Besuch ihres kriegsgefangenen Enkels Moritz von Kotzebue (1789-1861), der als russischer Generalleutnant während des napoleonischen Feldzugs am 10. August 1812 bei Belyi in französische Kriegsgefangenschaft geraten war und auf seiner langen Reise in ein französisches Lager seine Großmutter in Weimar besuchen konnte: „[…] Sie entschuldigen mich aber gewiß wenn Sie hören daß ich, meinen zuvor gefangenen Enkel, daß Glück gehabt habe, 8 tage bey mir zu sehn. Am Montag ist Er zu seiner Bestimmung nach Frankreich gegangen. In Maynz wird Er hören, an welchen Ort Er kommt […] Es ist freylich hart im 24ten Jahre in seinem Stande, in einer Zeit, wo man sich auszeichnen kann, außer aller Dhätigkeit zu sehn. Der Nahme des Vaters [August] hat dem Sohne auf der ganzen Reise, eine gute Aufnahme verschafft […] Die ausgezeichneten Belohnungen, die mein anderer Enkel [Otto] erhalten, haben mich sehr gefreut; aber wer weiß wie es jezo um Ihn steht! Da wie ich in den Zeitungen lese, das Witgensteinsche Corps, wo Er bey steht sich wieder geschlagen, viel verlohren und viel Gefangene geliefert hat […] So liegt die Ruthe immer bey den Stückchen Zucker. Ach es ist jezo eine schreckliche Zeit! Die Ruhenden unter dem Grase, nur die sind zu beneiden. Wollen Sie mir ein Briefchen an meinen Sohn [August] schicken, so will ich es miteinlegen, bey der Großfürstin [Maria Pawlowna], die es mir zuweilen erlaubt […]“ Möglicherweise an den Geheimen Justizrat Ackermann in Weimar. – Moritz von Kotzebue (1789-1861) hatte 1803-06 an der Weltumsegelung seines Bruders Otto und seines Onkels Adam Johann von Krusenstern teilgenommen. Nach seiner Entlassung aus französischer Gefangenschaft am 27. April 1814 schrieb er seine Erlebnisse in dem Buch „Der russische Kriegsgefangene unter den Franzosen“ (Leipzig 1815) nieder und schildert dort (S. 170-80) auch den Besuch in Weimar ausführlich: „Gewöhnlich denkt man sich unter einer Großmutter eine alte, mürrische, an ihren Lehnstuhl fest gekettete Person, allein wie anders fand ich die meinige! frisch und munter […] verbreitete [sie] durch ihre Lebhaftigkeit die froheste Laune um sich her.“ Die Großmutter wohnte als Witwe eines weimarischen hohen Hofbeamten im sog. „Gelben Schloß“ und vermittelte ihm Audienz bei Großherzog Carl August und seiner russischen Gattin Maria Paulowna. Ihr Grab befindet sich auf dem Historischen Friedhof Weimar. – Gering braunfleckig.