Bismarck, Otto Fürst von, Reichskanzler (1815-1898).

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Brief mit eigenh. Grußwort und Unterschrift “der Ihrige vBismarck”. Varzin, 28. XII. 1877, Gr.-4°. 3 1/2 Seiten. Doppelblatt.

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Beschreibung

Hochinteressanter poltischer Brief [an Guido Henckel von Donnersmarck; 1830-1916] aus dem Jahr des “Kissinger Diktats”, niedergeschrieben wie dieses von Bismarcks Sohn Herbert als Privatsekretär. Der Brief behandelt die Abberufung des französischen Gesandten Élie de Gontaut-Biron (1817-1890) und Bismarcks Verhältnis zum späteren französischen Präsidenten Léon Gambetta (1838-1882): “[…] Über den Wechsel in der Person des französischen Bothschafters habe ich mich außerordentlich gefreut; wenn irgend etwas geeignet war, bei uns das Vertrauen in die friedlichen Gesinnungen Frankreichs zu fördern, so war das die Zurückberufung Gontauts, der sich mit allen dem Reiche feindlichen Bestrebungen in enge Beziehungen gesetzt hatte, und wenn sich irgend etwas Ausführbares finden ließe, unsere Freude darüber äußerlich zu bethätigen, so würde das meinen Wünschen ganz entsprechen. Die Frage der Ausstellung wieder aufzunehmen würde materiell die Zeit für unsere Aussteller fehlen, – damit geht es also nicht: ich hoffe aber, daß Gambetta auch ohnedem über unsere Absichten vollständig beruhigt ist. Mit letzterem in persönliche Beziehungen zu treten, würde mir ganz erwünscht sein, – für den Augenblick würde das aber den Kaiser sehr erschrecken, da seine Majestät durch Gontaut und andere Einflüße in Bezug auf republikanische Propaganda wohl sehr bearbeitet und mißtrauisch gemacht ist! Außerdem würde ich es aber in Gambetta’s eigenem Interesse auch für verfrüht halten, wenn er leichtsinnig genug wäre, sich mit mir zu compromittiren; mir liegt an der Schonung seiner Autorität zu viel, um ihm eine Erschütterung derselben zu erleichtern. Er ist eine der wenigen in Frankreich noch existirenden autoritativen Naturen, und bei seiner friedlicher Gesinnung und der immer noch großen Macht der ihm entgegenstehenden Parteien glaube ich daß das Capital, welches in ihm steckt, vorläufig geschont werden muß. Jedenfalls bin ich Ihnen sehr verbunden, daß sie auf diese Weise indirekte Beziehungen hergestellt haben, die ich gern benutzen und pflegen werde […]” – Der moderat republikanische Gambetta wurde 1879-81 Kammerpräsident und 1881-82 Premier- und Außenminister. Gontaut-Biron hat in dem Buch “Meine Botschafterzeit am Berliner Hofe 1872-1877” (Berlin 1909: frz. Paris 1906) über die hier berührten Vorgänge berichtet. – Beim Attentat am 13. Juli 1874 in Bad Kissingen war Bismarcks Hand verletzt worden, was ihn an längeren dienstlichen Schreiben hinderte. – Gut erhalten.