Blum, Robert, Politiker; Führer der „Linken“ in der Frankfurter Nationalversammlung (1807-1848).

1.600,00 

3 eigenhändige Briefe mit Unterschrift „Blum“. Ohne Ort [Leipzig], 28. X. bis 9. XI. 1843, Gr.-4° (27 x 21,5 cm; 1) und 8°. Zus. 3 Seiten. Die Quartbrief mit rückseitiger Adresse.

Vorrätig

Beschreibung

An der Schriftsteller Theodor Apel (1811-1867) in Leipzig. Robert Blum ging 1832 als Theatersekretär, Bibliothekar und Kassenassistent mit dem Direktor Friedrich Sebald Ringelhardt von Köln nach Leipzig und bereitete 1843 am dortigen Theater eine Feier zu Schillers Geburtstag am 10. November vor, zu welcher Apel „Philemon und Baucis. Festspiel mit Gesang, Pause, Pro- und Epilog“ (1843, ungedruckt, Jacob 1/244, 4) lieferte. – I. (28. X. 1843) „[…] Sie sind ein Deutscher und können und dürfen es also nicht befremdend finden, wenn man die Freiheit, die man Ihnen gestern gab, heute zurück nimmt. So nehme ich denn einen Theil der Freiheit, die ich Ihnen gestern hinsichtlich des Pro- und Epilogs gelassen, auch heute zurück, indem ich Ihnen mitteile, daß der Prolog von Herrn Reger, der Epilog von Madame Dessoir gesprochen werden muß, weil Madame Dessoir sich während der einen Scene aus den ‚Räubern‘ nicht umziehen kann. So hängt das Schicksal eines armen Dichters zuletzt an einem – Weiberrock! Zugleich erlaube ich mir […] Sie darauf aufmerksam zu machen, daß Director Ringelhardt die Statue Schillers, wie sie in Stuttgart aufgestellt ist, malen lassen will, um sie am Schlusse des Epilogs […] von Genien mit Emblemen und Kränzen umgeben, erscheinen zu lassen […] Da es beim Schillerfeste im Theater gewöhnlich sehr voll wird, so erlaube ich mir bei Zeiten die ergebenste Anfrage: von welchem Platze aus Sie am liebsten der Vorstellung beiwohnen? […]“ – II. (2. XI. 1843) „[…] Gestatten Sie mir, Ihnen in zwei Zeilen zu sagen, daß Ihr Prolog und Epilog ganz vortrefflich sind und ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Sehr gerne würde ich Sie mit Herrn Reger bekannt gemacht haben, wenn es möglich wäre. Aber derselbe gastiert dieser Tage in Dresden und muß dort den Prolog lernen. Auch war es ihm nach seiner Erklärung – ganz ‚an und recht‘. Mad. Dessoir hat den Epilog noch nicht, da eine Abschrift bei meinem Collegen umgeht, die andere der Censur vorliegt. Wollen Sie mit dieser wegen dem Epilog sprechen, so stehe ich sehr gerne zu Dienst, wenn es Ihnen gefällig ist. Die Billets werde ich Ihnen pünktlich besorgen […]“ Die erwähnten Leipziger Schauspieler sind Philipp Salomon Reger (1804-1857) und Therese Dessoir (geb. Reimann; 1810-1866). – III. (9. XI. 1843) „Hier, geehrtester Herr, die 6 Billets, welche Sie hoffentlich von der Direction freundlichst annehmen werden […]“ – Robert Blum initiierte groß angelegte jährliche Schillerfeiern in Leipzig. Am 24. X. 1842 gründete er einen Schiller-Verein, da Schiller, der „Freiheitsideologe“ (Thomas Mann), ein zentraler Bezugspunkt für alle demokratischen Hoffnungen und politischen Bestrebungen der Vormärzzeit war. Teilw. mit kleinen Randschäden.