Griechenland – Amalie, Königin von Griechenland, geb. Prinzessin von Oldenburg (1818-1875).

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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Bamberg, 16./28. XI. 1872, Kl.-8°. 7 Seiten, auf zwei Doppelblättern, mit blindgeprägtem Wappen des Königreichs Griechenland und Amalie von Griechenlands.

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Beschreibung

Ausführlicher Brief an Sophie von Kleinschrod, aus dem Bamberger Exil, mit vielen Details des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens: „[…] Eine wahre Freude machte mir Ihr Brief, meine liebe, gute Frau von Kleinschrod, denn Sie müssen wissen, daß ich oft an Sie denke […] Daß Sie im Winter nicht kommen können sage ich mir oft u. denke dann wie es immer einsamer um mich wird. Sie können es mir nachfühlen was ich entbehre seitdem meine geliebte Plüskow heimging, ein unersetzlicher Verlust, meine ganze Vergangenheit sank mit ihr in’s Grab. Nun heyratet meine liebste Regina, die letzte die zu Zeiten meines Mannes da war, ich gönne ihr so ihr so lang geträumtes Glück, ich freue mich so dessen, daß ich gar nicht recht an meinen Verlust zu denken wage als egoistisch, aber zuweilen packt es mich doch. Von meinem ganzen Hofe wie Sie ihn kannten blieb mir nur Gebsattel, Seefried ist ja auch fort, welcher Wechsel, in den 10 Jahren daß ich in Deutschland bin wechselte ich die Hofdamen alle 2 Mal, die Herrn desgl. ein Glück daß Gebsattel mir bleibt, aber es ist so schwer immer an Neues sich zu gewöhnen, Ida Plüskow ist freylich für mich kein fremdes Element […] aber mir fehlt ganz eine ältere Dame gegen die man sich aussprechen kann, ich bin so auf mich selbst reduziert, doch der liebe Gott wird helfen und Alles zum Besten wenden […] Bamberg hat sich so verschönert, daß Sie erstaunt seyn würden, so viel Häuser, fabelhaft und jetzt wird auch eine Straße direct auf den Bahnhof durchgebrochen. Die Gesellschaft hat sich sehr verändert […] die alte Frau v. Guttenberg hielt sich immer verpflichtet die Honneurs für Bamberg zu machen als altes Bamberger Haus […]“ – Amalie war die Gattin von König Otto I. von Griechenland. „Sie war eine mutige Reiterin, durchquerte gern in griechischer Volkstracht mit kleinem Gefolge die griechische Bergwelt, lernte dabei Land und Leute gründlich kennen und gewann sich durch ihren Liebreiz überall Sympathien. Wiederholt übernahm sie bei Abwesenheit des Königs die Regierungsgeschäfte, und Kenner der Politik waren sich darin einig, daß sie ihren Gatten geistig weit überragte.“ (NDB). Seit 1862 lebte das Paar in Bamberg im Exil. – Datierung des Briefes nach dem damals in Griechenland gültigen julianischen und dem in Europa geltenden gregorianischen Kalender. – Sophie von Kleinschrod, geb. Freiin von Wamboldt-Umstadt, war die zweite Ehefrau des bayrischen Juristen und Ministers Karl Joseph Freiherr von Kleinschrod (1797-1866). Vor ihrer Vermählung war sie bis 1853 Oberhofmeisterin im Hofstaat der Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana Augusta Ferdinanda (1825-1864), der Ehefrau von Prinz Luitpold von Bayern (1821-1912). Karl Joseph von Kleinschrod war von 1849 bis 1854 bayerischer Staatsminister der Justiz, von 1865 bis zu seinem Tod war er Präsident des obersten bayerischen Gerichtshofs in München und Mitglied der Kammer der Reichsräte im bayerischen Landtag. – Weitere Briefe von Amalie von Griechenland an Sophie von Kleinschrod liegen im Bayrischen Hauptstaatsarchiv.