Beschreibung
An Sophie von Kleinschrod, aus dem Bamberger Exil, sechs Monate nach dem Tod König Ottos von Griechenland am 26. Juli 1867, u.a. über das Leiden König Ludwigs I. von Bayern: „[…] Eine rechte Freude machten Sie mir mit dem so hübschen Fächer, meine liebe, gute Frau von Kleinschrod u. die denselben begleitenden Worte rührten mich zu Thränen. Ach Sie können mir so recht nachfühlen was mein armes Herz erfüllt, es ward ihm Alles entrissen! Ihre hiesige Anwesenheit war gar zu angenehmen u. oft sprechen wir davon u. ich freue mich Ihres Versprechens, daß Sie den Besuch wiederholen wollen. Zu traurig ist die Krankheit meines Schwiegervaters [Ludwig I.] und der Königinmutter. Wie störend greift das alles ein in die Hochzeitsfeyerlichkeiten des armen Ludwig [II., der sich mit Sophie Charlotte verlobt hatte]. Einmal schien das Glück wieder einzukehren in der Familie wird so traurig gedämpft. Ich fürchte wir sehen meinen armen Schwiegervater nicht wieder, wenn er nur nicht noch zu viel leiden muß. Wenn doch die Söhne hingingen, daß er nicht so allein in fremden Landen stirbt. Recht dankbar bin ich Ihnen meine gute Kleinschrod, daß Sie uns immer so treu Nachrichten geben, es ist zu freundlich von Ihnen. Die Photographie der Braut gefiel sehr gut, das Bild worauf beyde steht auf meinem Schreibtisch neben Gustchen […]“. – Amalie war die Gattin von König Otto I. von Griechenland. „Sie war eine mutige Reiterin, durchquerte gern in griechischer Volkstracht mit kleinem Gefolge die griechische Bergwelt, lernte dabei Land und Leute gründlich kennen und gewann sich durch ihren Liebreiz überall Sympathien. Wiederholt übernahm sie bei Abwesenheit des Königs die Regierungsgeschäfte, und Kenner der Politik waren sich darin einig, daß sie ihren Gatten geistig weit überragte.“ (NDB). Seit 1862 lebte das Paar in Bamberg im Exil. – Ihr Schwiegervater, König Ludwig I. von Bayern, verstarb am 29. Februar 1869 in Nizza. – Datierung des Briefes nach dem damals in Griechenland gültigen julianischen und dem in Europa geltenden gregorianischen Kalender. – Sophie von Kleinschrod, geb. Freiin von Wamboldt-Umstadt, war die zweite Ehefrau des bayrischen Juristen und Ministers Karl Joseph Freiherr von Kleinschrod (1797-1866). Vor ihrer Vermählung war sie bis 1853 Oberhofmeisterin im Hofstaat der Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana Augusta Ferdinanda (1825-1864), der Ehefrau von Prinz Luitpold von Bayern (1821-1912). Karl Joseph von Kleinschrod war von 1849 bis 1854 bayerischer Staatsminister der Justiz, von 1865 bis zu seinem Tod war er Präsident des obersten bayerischen Gerichtshofs in München und Mitglied der Kammer der Reichsräte im bayerischen Landtag. – Weitere Briefe von Amalie von Griechenland an Sophie von Kleinschrod liegen im Bayrischen Hauptstaatsarchiv.








