Felixmüller, Conrad, Maler und Graphiker (1897-1977).

350,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Berlin-Köpenik, 14. X. 1961, Fol. 2 Seiten, mit gedrucktem Briefkopf und 2 eigenh. adressierten Umschlägen.

Vorrätig

Beschreibung

Inhaltsreicher Brief über die Kunst in Krisenzeiten, zwei Monate nach dem Bau der Berliner Mauer. An Eugeniusz Chudzicki in Posen: „[…] Ihre Frage nach meiner Meinung zur deutschen Kunst (Malerei) in den Jahren 1900-140 und zweitens zur D.K. in den Jahren 1940-1960, ist so in einem Satz nicht zu beantworten. Es ist ja auch für einen Maler, der ich doch bin, nicht einfach, da man ja Parteilichkeit mit in Kauf nehmen muss. Denn so wie sich in den Jahrzehnten die Kunst mit den allgemeinen Problemen entfaltete, Irrwege ging, problematisch wurde – so ging ja auch meine Entwicklung innerhalb der allgeminen politischen u. geistigen Situation vorwärts, seitwärts, rückwärts, zickzack! Bedenken Sie, dass ich – Jahrgang 1897 – die glücklichen Friedensjahre vor dem ersten Welt-Krieg genossen habe – ich weiss (um im Rahmen Ihrer Frage: Deutschland! zu bleiben) wie reich u. üppig das allgemeine Leben damals in Deutschland war u. für die Entfaltung der Künste günstig! Was ist daraus geworden! etwa wie das Land arm die Kunst; keine Künsthändler werben für die Kunst, keine Kunstsammler […], keine Auftraggeber ermutigen den Künstler, geben ihm Brot – es fehlt an persönlichen Kontakten. Wo soll da Freude über Kunst, Freude durch die Kunst, Freude für die Kunstschaffenden herkommen! Die soziale Umgestaltung dauert für die Kunst u. Künstler am längsten. Und was sind nur die Inhalte, Probleme gewesen!? Zunächst vor 1914: Dann setzte die futuristische, kubistische, expressionistische ‚revolutionäre‘ bewegung ein, als ein sichtbares Zeichen bürgerlicher Zersetzung ihrer Weltbegriffe. Damit fing das Ende einer Blüte an, die ein wertvoller Teil des Bürgertums war. In vielen Teilen der Welt ist seitdem ein neues gesellschaftliches Leben im Entstehen. Noch spielt die Kunst eine nur trennende Rolle. Ehe sie zur Höhe, zu einer neuen Blüte kommt, müssen erst echte Friedens-Zustände geschaffen werden. Wenn die Waffen klirren – schweigen die Musen […]“.