Dörpfeld, Wilhelm, Archäologe (1853-1940).

4 eigenhändige Briefe mit Unterschrift und 1 masch. Brief mit eigenhändiger Unterschrift (dieser schadhaft). Leukas, Troja und Berlin, 30. X. 1932 bis 12. I. 1939, 8° und 4°. Zus. ca. 10 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den jüdischen Bildhauer Kurt Harald Isenstein (1898-1980) in Berlin und Kopenhagen, der eine Porträtbüste Dörpfelds geschaffen hatte. – I. (Leukas, 30. X. 1932): Dörpfeld habe einen Brief verspätet erhalten, weil er auf Korfu nach der Stadt der Phäaken und dem Palast des Alkinoos gesucht habe und glaubt ihn bei Paläokastrizza finden zu können. Er dankt für die Photos seiner Büste und würde sich freuen, „wenn sie in edlem Material ausgeführt und etwa im Museum von Olympia aufgestellt werden könnte. Ich selbst kann dafür nicht wirken, sondern muß das anderen überlassen, die den Gedanken gehabt haben, sie dort zu meinem 80. Geburtstag (Dez. 1933) aufzustellen, als Gegenstück zur Büste von Ernst Curtius […] Allerdings müßte sie in diesem Falle […] in Marmor hergestellt werden […]“ – II. (Troja, 24. IV. 1933) Über den Abschluß seines Buches „Alt-Olympia“, das noch im selben Jahr erscheinen soll: „[…] ich arbeite hier mit den Amerikanern, um Troja weiter zu untersuchen […] Von den großen Veränderungen, die in Deutschland stattgefunden haben, habe ich mit Freude Kenntnis genommen. Ich hoffe sehr, daß nun Deutschland sich nicht mehr als Nation II. Klasse behandeln läßt und daß unsere Regierung verlangt, daß die Lüge der Kriegsschuld zurückgenommen wird. Einige Erscheinungen der neuen Epoche gefallen mir nicht und hoffe ich, daß diese bald abgeschafft werden […]“ – III. (Berlin, 15. IV. 1934) Dörpfeld berichtet von der Enthüllung der Büste in Olympia, an der Isenstein nicht teilnehmen habe können. Man wolle eine Kopie in der Bibliothek und in der Zentraldirektion in Berlin aufstellen, allerdings wundert sich Dörpfeld darüber, daß der Name des (jüdischen) Künstlers bei der Büste nicht eingegraben sei. Erwähnt sein Augenleiden. – IV. (30. IV. 1934): „[…] habe von Herrn Blümel die traurige Geschichte Ihrer Verhaftung etc. erfahren. Ich schäme mich als Deutscher einer solchen Behandlung eines ehrenhaften Künstlers und kann den Antisemitismus der jetzigen Regierung, die vieles sehr gut macht, nicht billigen […] Wenn ich wieder in Olympia bin, werde ich dafür sorgen, daß Ihr Name an der Büste eingemeißelt wird […] Ich freue mich, daß Sie dort [in Kopenhagen] Freunde und neue Arbeit gefunden haben […]“ – V. (Leukas, 12. I. 1939): „[…] Meine Büste in Olympia trägt noch immer nicht Ihren Namen […] niemand will die Verantwortung dafür übernehmen […] Es ist ein Glück, daß Sie rechtzeitig Berlin verlassen haben; denn jetzt ist es für einen Juden nicht mehr erträglich, in Deutschland zu leben. Das Buch mit Ihren Werken möchte ich gerne kaufen […]“ – Isenstein begründete 1925 zusammen mit Hans Baluschek die Volks-Kunstschule in Berlin. 1933 wurde er kurzzeitig inhaftiert und emigrierte anschließend nach Kopenhagen, wo er die Volks-Kunstschule neu ins Leben rief. Er schuf zahlreiche Büsten (u. a. von Alfred Döblin, Albert Einstein und Magnus Hirschfeld). – Dörpfeld nahm bereits 1877 an den deutschen Ausgrabungen in Olympia teil. Er leitete zahlreiche Ausgrabungen, zum Teil in Zusammenarbeit mit Schliemann. Bahnbrechende Entdeckungen in Troja und Olympia gehen auf ihn zurück. Zu seinen Hauptwerken zählt „Alt-Olympia“ (1935). – Teilw. mit minimalen Randschäden. – Mit zahlreichen interessanten Beilagen im selben Zusammenhang, darunter eine Photographie von Harald Isenstein mit seiner Dörpfeld-Büste.