Karsch, Anna Louise, Dichterin, genannt „die Karschin“ (1722-1791).

Eigenhändiger Brief in Gedichtform mit Unterschrift Ohne Ort, 8. VI. 1790, Gr.-8°. 2 Seiten. Doppelblatt mit Siegelrest.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An die Dichterin Susanne von Bandemer (1751-1828), die nach ihrer zweiten Scheidung wieder den Namen ihres ersten Mannes annahm und mit Christoph Martin Wieland, Karl Wilhelm Ramler, Johann Gottfried Herder, Anna Louisa Karsch und Sophie von La Roche in Kontakt stand. Adressiert: „Der Frau von Bandemer, Sie sold nicht übel nehmen, schreib ich auf grob Papier, und muß mich selber schämen.“ Eines der schönen Briefgedichte der „Karschin“, wegen ihrer zahlreichen Gelegenheitsgedichte von Johann Wilhelm Ludwig Gleim zur „deutschen Sappho“ erklärt. – Hier über Gleim (1719-1793) selbst, den Dichter der „Preußischen Kriegslieder […] von einem Grenadier“ (1757, fortgesetzt 1778, 1790 und 1793): „Der altte Grenadier von Preußen | Ist über Siebzig Sommer alt | und will uns allen mit Gewalt | noch Blätter aus dem Cranze reißen – | Er singt in einem athem fort | Soldatenlieder, Marschgesänge, | und auf mein wort | Er staunt selbst über Ihre Menge | und flüstert sich halb schüchtern zu | ‚Halt Grenadier, halt ein, und thu | des Guten nicht im Übermaße | Sonst Spötteln über Dich auf Deiner Ehrenstraße […] Der gute Vater Gleim mag sich das wol bisweilen vorsagen, Aber es hilft nichts, er ist zu ganz patriot […] ich schick ihm die Marschlieder zum lesen, die ich gestern selbst bringen wollte, ich kam über die Biographie des armen Mannes vom Toggenburg [von Ulrich Bräker; Zürich 1789], die mir bis heute geliehen ward, und konnte mich nicht davon losreißen […]“ Erwähnt auch Gellert. – Die Karschin hatte sich am 10. Juni 1790 auch Gleim selbst gegenüber kritisch über dessen „Preußische Marschlieder im May 1790“ (Halberstadt 1790; 8 Lieder) geäußert (Nörtemann, Briefwechsel, Nr. 412). – Bereits 1763 hatte Friedrich II. der „Karschin“ eine Pension zugesichert, die allerdings der leeren Staatskasse zum Opfer fiel. Erst sein Neffe Friedrich Wilhelm II. machte 1789 das Versprechen wahr und schenkte ihr ein Haus an der Berliner Neuen Promenade.