Mehring, Walter, Schriftsteller (1896-1981).

4 eigenhändige Briefe mit Unterschrift München, " Hotel Carlton", 5. XI. 1973 bis 26. II. 1974, Fol. und Qu.-4°. 7 Seiten auf 7 Blättern. Hotelpapier. Gelocht.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Journalisten Gerhard Mahr über sein “Großes Ketzerbrevier”, das 1974 bei Herbig/Langen-Müller erschien). – I. “[…] Nochmals meinen Dank für die laudatio – Die Verse: Hier steht ein Mann … hatte ich ursprünglich für eine ‘Selbstanzeige’ ( – Europäische Nächte, – 1925 – ) im ‘Tagebuch’ (Berlin) abgefasst – ohne weitere Ambitionen = Den bedauernswerten Langen-Müllerlektor reut es noch weiter, meine Poeme redigieren zu müssen. (‘Wir wollen doch nur Ihr Bestes’) […]” – II. Der “Ketzerbrevierschmöker” solle nach Mitteilungen des Verlages im Januar 1974 erscheinen: “[…] Aus einem Schreiben von Herrn Dr. Herbert Fleissner: ‘… haben wir uns vor Jahresfrist entschlossen, den Sammelband in den Verlag zu nehmen, obwohl wir wussten, daß in der heutigen literarischen Landschaft nur eine … kleine Leserschaft für Ihre Texte zu finden ist’ = = = (zu meiner Klage bei Ihrem Besuch in Zürich, ‘man lasse mich nicht schreiben, was ich wolle …) […] garnicht wäre besser gewesen! Erst hatte er – [der Lektor Heinz] Puknus – die Texte um dreiviertel gekürzt, die Verse ‘bis zur Sublimierung nur der noch besten’ ‘eliminiert’ – Die ‘Sprachformulierungen Dudengerecht’ korrigiert – zuletzt, in den Fahnen, den Aufbau der ‘Lyrischen Fuge’ abgeändert = (den Titelblatt-Entwurf des Verlags-‘Gestaltungskünstlers’ = ‘im jetzt modernen Jugend-stil’, mir nie gezeigt – nicht vor der nun endgültigen Reproduktion = sie passt zum Ketzerbrevier, wie die Magie des Doktors Faustus auf ein deutsches Gretchen =) als sein persönliches Verdienst – u. a. – bucht Herr Puknus, das Erscheinen eines langen Aufsatzes von Gerhard Mahr in der ‘Weltwoche’ … Nun hat diese und die übrige Welt – weiss Gott! Mao! Nixon …! ärgere (Petroleum)=sorgen = ganz und gar zu schweigen von den intimen eines Texters = = Für jede Anteilnahme an der Förderung meiner Schriften bin ich dankbar = ebenso auch an der Beantwortung Ihrer Interviewfragen (‘Wovon leben Sie und wie?’) […] Ganz einig bin ich mit Kurt Heynike’s Diktum, das ‘expressionistische Zeitalter mit all seinen Ausdrucksformen ist noch keineswegs abgeschlossen’ […]” – III. “[…] aus Gesundheitsrücksichten ist es mir unmöglich, einen Aufsatz zu schreiben – zumal der Lektor des Langen-Müller-Verlags mir durch Hineinpfuschen in mein (Ketzerbrevier)buch neue Schwierigkeiten bereitet hat = Helfen würde man mir, wenn an wesentlichen Stellen über mich geschrieben würde […]” Plant einen Aufsatz über August Stramm für die “Horen.” – IV. “[…] Es tut mir leid, daß ich keine Gelegenheit finde – in keiner Zeitung, Zeitschrift = mich (das Buch) zu erklären = zu plaidieren … siehe den Schluss der Kunst der lyrischen Fuge (‘Die Triebfeder aller Kunst ist die Provokation’ – Delacroix, Tagebücher) Das war: ‘Der Blaue Reiter’ = = = Das ‘Futuristische Manifest’ = Walden’s Sturm = und sollte das Ketzerbrevier sein! […]” – Vgl. Gerhard Mahr, Mehrings Mahnung. Ketzerbrevier oder: Modernes von gestern. In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 17. März 1974. – Leichte Altersspuren.