Mendelsohn, Erich, Architekt (1887-1953).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Berlin-Charlottenburg, 21. XII. 1922, Gr.-4°. 1 1/2 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den Architekturzeichner, Maler und Dichter Hermann Finsterlin (1887-1973) in Stuttgart: “[…] dann muß eben jemand Anderes die französ. Aufrufe auskosten, hoffentlich jemand der es nötig hat. Anstatt Sie zu belasten, bin ich viel eher bereit, Ihnen mit einer Torkretspritze [Betonspritze] zu Hilfe zu kommen. Das und die Glasur muß unsern Zukunftsbauten zum Leben verhelfen. Man kann sich doch schließlich nicht immer von der augenblicklichen Witterung bzw. den dauernden Wettereinflüssen diktieren lassen. Ich wünschte, ich verstünde es, Ihnen bis dahin mit meinem kräftigen Zinkblech alles vom Leibe zu halten, was von Außen auf Sie herunterkommt. Meine Natur hilft sich selbst, vermöge ihres gelungenen und kräftigen Schritts. Da ist es leicht, sich zu behaupten. Die Belastungen fehlen auch hier nicht, aber der Betonquerschnitt ist ausreichend für jede Einflußlinie. Vielleicht versuchen Sie, für eine Zeit den Watzmann bei Seite zu rücken ([Bruno] Taut baut gern um) und in die oberste Etage Ihres Häuschens zu ziehen. Vielleicht befreit Sie der freie Blick, vielleicht steigert die Ebene Sie. Sie sollen wissen, daß ich immer an Sie denke und immer wünsche, Ihnen wirklich einmal helfen zu können. Sollte aus unserer Niddenfahrt etwas werden, dann rufe ich Sie […]” Mendelsohn hatte Finsterlin Anfang August 1922 in Berchtesgaden besucht und mit ihm den Watzmann bestiegen.