Möser, Justus, Staatsmann und Schriftsteller (1720-1794).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Osnabrück, um 1770, 4°. 4 Seiten. Doppelblatt.

Nicht vorrätig

Beschreibung

Der liebevoll besorgte Vater an seinen einzigen Sohn, der in Göttingen studierte: “[…] Es freut mich wohl, daß du dir in Göttingen gefällst, und fleißig bist. Von deinen Collegiis hast du mir nichts geschrieben; ich möchte aber doch, daß du solches gelegentlich thun […] mögest. Für den G. J. R. Oyen empfängst du hierbei einen Brief, welchen du lesen […] kannst. Er möchte es übel nehmen, daß ich dich nicht gleich von Anfang an ihm adressiert habe […] Deine Mutter wird dir das Geld für das künftige Quartal senden. Ich habe dir passlich 400. zu ordentlichen Ausgaben bestimmt, und du wirst selbst finden, daß du damit auskommen kannst. Ich sehe dich als einen Freund an, und habe dich allezeit so gehalten, dass ich dir zugleich im Vertrauen sage, dass wenn du durch Unvorsichtigkeit oder Unglück ein mehres nötig haben solltest, du mir solches in Zeiten anzeigst. Was du aber zu Kleidern gebrauchst habe ich dir besonders versprochen, und wenn du mir die Rechnung davon sendest, will ich dir solche besonders senden: Behilf dich aber mit einer kleinen […] Kleidunge. Die großen Staats-Kleider kosten viel, nutzen wenig, und man wird sie selbst müde. Lehren gebe ich dir nicht viel. Deine Großmutter würde aber gesagt haben: Hüte dich vor drei W; vor Wein Weibern und Würfel. Ich aber hoffe, du werdest dich so wie du hier gethan hast selbst schon in acht nehmen. Das Hazard-Spiel ist das gefährlichste was ich für dein Alter und dein gutes Herz kenne. Du bist nicht dazu gemacht Schelme zu betriegen, und das wird doch beym Spiel gefordert. Ein ehrliches Mädgen zu hintergehen, ist die größte Gewissenssache, und ein anders, der Weg zum Hospital und zu einer beständig schwächlichen Gesundheit; die hernach unter der Maske der Hypochondrie Mitleid bettelt. Ich habe deren tausend gekannt, denen es nach dieser Art gegangen. Den Wein wirst du von selbst meiden, weil er dir im 3. u. 5. Jahr schaden wird. Das ist der Commentar über deiner Großmutter Lehren. In deinen Freundschafften sei vorsichtig. Die schlimmsten Freunde für dich sind die Bedürftigen, und alle academischen Freunde sind in ewiger Bedürfniss. Man kommt nicht damit zu Ende […] Lebe wohl mein Sohn und vergiß nicht, daß ich dein ganzes Vertrauen fordere, nachdem ich dir das meinige geschenkt habe. Lebe wohl und versäume nicht dich notdürftig zu bewegen und zu ermuntern […]” – Möser war hoher Beamter im Fürstbistum Osnabrück. Die Regierung des Hochstifts lag de facto in seinen Händen. Im Januar 1743 wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft in Göttingen, arbeitete an moralischen Wochenschriften mit und gab die “Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen” heraus. Sein Aufsatz “Von dem Faustrechte” (1770) beeinflußte Goethe bei der Abfassung des Götz von Berlichingen. Er gilt aufgrund seiner Geschichtsauffassung als Wegbereiter des Historismus. – Aus der Sammlung G. S. Rötger mit dessen roter Beschriftung am Briefkopf. Zuletzt 1993 in der Stargardt-Auktion 653, Nr. 1476. – Kleine Schäden in den Knickfalten; die erste Seite minimal fleckig. – Sehr selten.