Niebelschütz, Wolf von, Schriftsteller (1913-1960).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Wolf Niebelschütz". Hösel, 3. I. 1951, Gr.-8°. 2 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An die Schauspielerin Paula Denk (1908-1978) mit Dank für eine Neujahrskarte und mit Erinnerungen an einen Theaterbesuch; Paula Denk hatte am 9. Dezember 1950 die Lavinia Chamberlayne in der deutschen Erstaufführung von T. S. Eliots “Die Cocktail Party” unter Gustaf Gründgens am Düsseldorfer Schauspielhaus gestaltet: “[…] Wenn Sie wüssten, wie oft wir zu Ihnen hinüberdenken, wie oft nach einem Gespräch mit ihnen Verlangen tragen, wie oft uns nach Mölln zurückversetzen, in die bezaubernden Stunden mit Ihnen (so traurig sie auch für Sie gewesen sein mögen) […] Sie wissen, gerade Ihnen kann ich keine Komplimente machen, und so ist es durchaus kein Kompliment, sondern schlichte Wahrheit, wenn ich sage, ich habe Sie selten so bewundert. Und dabei wurde mir wieder einmal klar, dass man Ihnen, liebe Paula, keine Rollen schreiben kann – was ich doch so verteufelt gern möchte. Ich bin überzeugt, der jeweilige Autor schämt sich, wenn er Sie spielen sieht, dass er Papiere mit Tinte bedeckt hat, denn das Leben dazu liefern Sie. Wie stellen Sie das an? Bei den anderen ist das nie so komplett, trotz noch so großartiger Momente, die mich für den Augenblick zu überwältigen, mir aber nicht die Augen dafür zu verschliessen im Stande sind, dass der nächste Moment dem vorangegangen[en] nicht mehr entspricht, oder dass da ein Bruch ist, oder, noch schlimmer, dass die besten Wirkungen aus einer früheren Rolle in das ganz andere Stück hinübertransponiert wurden – wodurch dann wieder die frühere Leistung mit ihrer nur scheinbaren Einmaligkeit auch ihren eigentlichen Glanz verliert. Auf solchen Gedanken habe ich mich bei Ihnen, so oft ich Sie sah, kein einziges Mal ertappt. Mein Wunsch für Sie im neuen Jahr ist, dass Sie wieder etwas glücklich werden; mein Wunsch an Sie: Sie möchten uns einmal wieder klassisch kommen, wie damals in den Veronesern [von Shakespeare]; da waren Sie auch ein Stück schönes Leben mitten zwischen viel Kunstgewerbe. Ist das zu hart gesagt? Meine Erinnerung empfindet es so […]” – Kalligraphisch gestaltet.