Roth, Joseph, Schriftsteller (1894-1939).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Brüssel, „Hotel Cosmopolite“, 20. VI. 1937, Kl.-4°. 1 1/2 Seiten auf 2 Blättern. Oberrand mit Perforationsspur.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An den literarischen Agenten und Verleger Barthold Fles (1902-1989). Fles plante im grossen Stil eine Anthologie unter dem Arbeitstitel „Emigrantenbuch“, das Ende 1938 erscheinen sollte. Als Beiträger geann er „Arnold Zweig, Silone, Heiden, R. Olden, Prinz Hubertus zu Löwenstein, Heinrich Mann und wahrscheinlich Einstein und Thomas Mann“ (Rietra a. a. O.). Da die Beiträger mit Ausnahme von Marcuse und Roth zu spät ablieferten, zerschlug sich das Projekt. Roth schrieb für die geplante Anthologie den Essay „Emigration“, den Fles ins Englische übersetzte: „[…] ich habe Ihnen soeben nach Amsterdam telegraphiert […] Zur Sicherheit, weil ich annehme, daß Sie sich entweder in London oder in Amsterdam aufhalten, schreibe ich jetzt nach London, mit der Bitte um Nachsendung. 1.) Wann müssen Sie spätestens das Kapitel für das Emigrantenbuch haben? | 2.) Meine Korrekturen sind Mitte Juli fertig. Inzwischen werde ich vielleicht in Amsterdam sein. | 3.) Ich habe Sie nie verantwortlich gemacht für Ihre Ausgaben. | 4.) Wenn Sie mir jetzt gleich 20 Dollar schicken könnten, wäre ich Ihnen herzlich dankbar | 5.) Meinen nach New-York gesandten Brief haben Sie hoffentlich erhalten. || 6.) Ich bitte Sie herzlich um Antwort hieher. | Immer sehr herzlich, Ihr | Joseph Roth“ – Joseph Roth kam 1936 vermutlich über Fritz Landshoff in Kontakt mit Barthold Fles, der sein Agent für Amerika und England wurde. Fles hatte seine Laufbahn bei Allert de Lange begonnen, war aber bereits 1925 in die USA gegangen, wo er ab 1933 als literarischer Agent tätig wurde. Fles vertrat die Elite der deutschen Exilautoren und zahlte Vorschüsse auf Werke, die teilweise nie geliefert wurden; auch an Joseph Roth für Optionen auf „Die Geschichte der 1002. Nacht“ und „Die Kapuzinergruft“. Unser Brief ist ungedruckt und unveröffentlicht, auch nicht in: M. Rietra, „Muß man dann immer postwendend Geld senden um überhaubt mit Ihnen verkehren zu können? Joseph Roth und Barthold Fles in Briefen“, in: „Interbellum und Exil“ (1991), S. 199-224. – Zu Fles vgl. Dieselbe, „Der New Yorker Literaturagent Barthold Fles als Vermittler zwischen der alten und neuen Welt (1933-1945)“, in: Alte Welten – neue Welten (1996), S. 164 ff. – Sehr selten.