Schiller – Wolzogen, Caroline von (geb. Lengefeld), Schriftstellerin, Schwägerin Schillers (1763-1847).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "CW". Jena, 16. III. 1830, 4°. 3 Seiten. Mit Adresse, Trauer-Siegel und Siegelausschnitt sowie Poststempeln.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An Wilhelm von Humboldt in Berlin: “Ihr Brief, theurer Freund, den ich bei meiner Rückkehr von Weimar fand, war mir recht tröstend. So lange sah ich Ihre Handschrift nicht. Für Ihre Augen bürgt mir diese, denn sie ist sehr lesbar. Es wird mir sehr tröstlich sein mit der lieben Caroline einmal einige Zeit zu leben, u. ich hoffe auch ihr würde es wohl thun. Aber unglucklicher Weise kann dieses in der Zeit die Sie bestimmen, und für Caroline paßend wäre nicht sein. Dieser schreckliche Winter hat mein altes Uibel sehr vermehrt, und mein Arzt dringt darauf, daß ich das Carlsbad brauchen soll, wozu ich freilich gerade die Monate benutzen muß wo Caroline kommen könnte. In Carlsbad mit mir zusammen zu sein könnte dem lieben Kinde wohl schwerlich angenehm sein, so lieb mir dieses sein würde. Ist mein Befinden so, daß ichs mit Heiterkeit thun kann so gehe ich von Carlsbad auf einige Wochen nach München. Ich habe ein großes Verlangen nach Anschauung bedeutender Kunstwerke. Caroline in diese Ungewissheiten zu verflechten, da Sie Gabrielen erwartet wäre mir ängstlich, und ich muß unser Wiedersehen auf eine andere Zeit aufsparen. Auch Sie, theurer Freund, wiederzusehen wünsche ich herzlich. Der Trost den Ihnen die Nähe des geliebten Grabes giebt, fühle ich ganz. Es wird zu Heimath des Herzens in all seinem Schmerz: – Das Museum unter Ihrer Leitung ist schön und vielversprechend. Ich hoffe es noch zu sehen. Ich weiß nicht wann Cotta mich erscheinen läßt, und bin froh fertig zu sein. Ihre Ansichten der Correspondenz sind die meinen, Vieles wüßte ich hiebey […]” Weiter über ihren Neffen Ernst von Schiller (1796-1841). – Die erwähnte Caroline von Humboldt (1792-1837) führte nach dem Tod ihrer Mutter Caroline (geb. von Dacheröden) am 26. März 1829 als älteste Tochter den Haushalt Ihres Vaters Wilhelm von Humboldt. Gabriele (1802-1887) war eine jüngere Schwester. Caroline von Wolzogen veröffentlichte 1830 in J. F. Cottas Verlag die Schillerbiographie “Schillers Leben. Verfasst aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner” (Fischer, Verlagsbibliographie Nr. 2003). Das Buch, dessen Manuskripteingang Cotta am 10. Februar 1830 bestätigte (Mojem, Briefrepertorium Nr. 3974), erschien wohl erst im letzten Quartal des Jahres 1830, da die ersten Rezensionen 1831 herauskamen. Ebenfalls 1830 war bei Cotta der Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt mit Vorwort des letzteren erschienen. Humboldt leitete die Museumskommission für das am 3. August 1830 eröffnete Königliche Museum, das heutige Alte Museum, im Berliner Lustgarten. – Caroline von Wolzogen war eine der beiden “Geliebten Schwestern” (so der Titel des Films von Dominik Graf, 2014) Lengefeld, die Schiller in Rudolstadt kennenlernte. Er schwankte mit seiner Liebe zwischen beiden, heiratete aber dann die Schwester Charlotte. “Was uns an Lebensspuren Carolines in künstlerischen Texten und Lebenszeugnissen überliefert ist, besitzt […] beträchtlichen Wert für eine unverstellte Sicht auf die klassische Kultur und ihre Geschichte.” (Jochen Golz)