Schmitt, Carl, Staatsrechtler und Philosoph (1888-1985).

Eigenhändiger Brief und eigenhändige Briefentwurf mit Unterschrift Plettenberg, 9. VI. und 2. VII. 1971, 4°. 3 Seiten.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An Julien Freund, harsche Replik auf die von Klaus Fritzsche in “Politische Romantik und Gegenrevolution” (Suhrkamp 1976) geäußerte Kritik an Carl Schmitts Rolle während des Nationalsozialismus: “[…] ma situation dans la Bundesrepublik est déterminée par le fait d’une diffamation qui refuse toute information. Serait-il possible que vous rompiez ce blocus sans vous exposer à des infections diffamantes? […] il raconte (comme exemple de ma ‘Selbsterniedrigung’) que j’ai dit que j’ai collaboré avec Hitler après le 24 mars 1933, Ermächtigungsgesetz (dem Theodor Heuß und Prälat Kaas zugestimmt hatten): ‘Ich bin Berufsjurist und kein Berufsrevolutionär’. C’est pour lui tiefste ‘Selbsterniedrigung’ […]”. – Laut Tommissen (S. 50) ist von diesem Brief nur die zweite Seite erhalten, obwohl es sich um einen Entwurf handelte, hat Carl Schmitt ihn dennoch verschickt, sonst hätte er sich nicht im Nachlass von Julien Freund befunden. Schmitt kontert die Kritik an seiner Verstrickung mit dem Nationalsozialismus durch eine Gegenkritik, hier am Verhalten bei der Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz des späteren Bundespräsidenten Heuss (1884-1963) im Jahr …., sowie an Carlo Schmid (1896-1979), einem der Väter des Grundgesetzes und des Godesberger Programms der SPD, der während des Zweiten Weltkrieges in seiner Rolle als Kriegsverwaltungsrat in Lille die Aufsicht über das belgische Justiz- und Gefängniswesen geführt hatte. – Ferner über den Tod von Georg Lukács am 4. Juni 1971: “[…] La nouvelle de la mort de George Lukács m’ément profondement. Vous devriez lire (aux vacances) le chapitre sur lui ((et quelques parallèles entre sa vie et dans la mienne) dans le livre énormément intéressant de Hans-Dietrich Sander, Marxistische Ideologie und allgemeine Kunsttheorie […]”. Je joins le Nachruf du Spiegel. – Als einer der wenigen Linksintellektuellen stand Georbg Lukács Carl Schmitt nicht vollends ablehnend gegenüber. Dessen “Politische Romantik” hatte er 1928 als kluges und interessantes Buch gelobt, an dem es lediglich auszusetzen gab, dass es verschweige, welchem gesellschaftlichen Sein die Struktur des romantischen Denkens entspreche. – Vgl. Die Zeit, 8. Juli 1983; Der Spiegel, 7. Juni 1971. – Vgl. Piet Tommissen in “Schmittiana VIII”, Berlin 2003, Nr. 44 und 45, S. 27ff.; ders. zum Verhältnis Carl Schmitt – Julien Freund in: Kraus, Souveränitätsprobleme der Neuzeit. Berlin 2010, S. 9ff.