Varnhagen von Ense, Karl August, Schriftsteller und Diplomat (1785-1858).

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Varnhagen von Ense". Berlin, 3. IX. 1845, 8°. 3 Seiten. Doppelblatt. Bläuliches Papier.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An Gräfin Josephine von Königsmarck, die Schwester der Dichterin Louise von Stolberg-Stolberg, die wie Varnhagen im Haus Mauerstraße 36, I. Etage, wohnte (weitere Informationen verfügbar), mit Grüßen und dem Bericht von einer ausgedehnten Eisenbahnreise, die ihn u. a. auch an verschiedene Kurorte gebracht hatte: “[…] Ich komme von Stolberg, wo ich fünf Tage war, beglückt durch frischen Waldhauch, herrliche Landschaft, herzliche Gastfreundlichkeit und geistigen Umgang. Aber leider wurde die edle Gräfin von dem grimmen Feinde periodischer Kopfschmerzen angefallen, die jetzt fast alle zehn Tage wiederkehren und ihr wahrhaft das Leben verbittern! Sie litt unsäglich, so standhaft sie auch den Schmerzen Trotz bieten wollte, und ich habe vorgestern nur vor ihrem Bette ihr Lebewohl sagen können. Wir sprachen jedoch in diesen fünf Tagen manches zusammen, und Ihrer wurde mit Wärme gedacht, und es versteht sich von selbst, daß ich der Schwester von der Schwester treue Grüße zu überbringen habe! – Die Reise nach Wildbad und Schlangenbad hat im Ganzen keine Befriedigung gewährt, weder Genesung noch Vergnügen, ich schämte mich ordentlich, daß meine Badekur so viel besser ausgefallen war. – Von Hamburg reiste ich über Darmstadt, Heidelberg und Würzburg nach Kissingen, wo ich mit General [Friedrich Karl] von Tettenborn [1778-1845] noch drei angenehmen Wochen verlebte, das Wetter war abscheulich, die Gesellschaft aber mannigfach angenehm, und unsre Mittage und Abende bei Tettenborn ließen nichts zu wünschen übrig, als etwa einige Freunde und Freundinnen mehr […] Möchten Sie wenigstens einen schönen Herbst auf dem Lande genießen, der wohltuend auf Sinn und Gemüth wirkt, und schon dadurch zur Gesundheit so viel beitragen kann! – der Herr Graf, dem ich mich eifrigst empfehle, gedenkt seines Unfalls hoffentlich kaum noch; ich habe den wärmsten Antheil daran genommen. Bei so manchen andern Gegenständen, welche auf der Tageswoge schwimmen, habe ich seiner lebhaft gedenken müssen, und ich glaube, der Anlaß wird noch oft wiederkehren […]” – Vgl. Schiller-Jb. 2003. – Etwas fleckig, minimale Randschäden.