Walser, Martin, Schriftsteller (geb. 1927).

3 eigenhändige Briefe mit Unterschrift Ohne Ort [Überlingen], 18. X bis 9. XI. 1962, Verschied. Formate. Zus. 5 Seiten. Gelocht; Eingangsstempel..

Nicht vorrätig

Beschreibung

An die Buchhandlung Bouvier in Bonn wegen einer Lesung am 11. Dezember 1962 und über die Erklärung der Gruppe 47 in Folge der “Spiegel”-Affaire. – I. (18. 10. 1962): Wegen Termin und Honorar. – II. (2. XI. 1962): Wegen einer Übernachtungsgelegenheit: “[…] Einen Vortrag habe ich nicht. Ich würde eine oder auch zwei Geschichten lesen und den Rest mit Halbzeit-Abschnitten bestreiten. Vielleicht einen kurzen Essay […]” – III. (9. XI. 1962): “[…] 1) Ich war nicht in Berlin zur Tagung der Gruppe 47. | 2) Man hat mich telefonisch über diesen Anruf informiert. Da die Formulierung, in der von der sittlichen Pflicht zum Verrat die Rede ist, für mich untragbar ist und da ich sie, darüber hinaus, für einen Akt politischer Blindheit halte […] deshalb sagte ich sofort am Telefon, dass dieser Satz geändert werden müsse, sonst könnte ich nicht unterschreiben. Das wurde mir zugesagt […] Erst durch die Zeitungen erfuhr ich dann, dass der eher törichte als schlimme Satz doch stehen geblieben war. | 3) Hätte ich mich dann öffentlich distanzieren soll? […] Ich habe mich geärgert über meine Kollegen, aber ich habe mich nicht distanziert. | 4) Mein Stillschweigen wurde mir etwas leichter gemacht durch die ‘Präzisierungs’-Versuche, die die Formulierer (einige von ihnen) dann da und dort erscheinen ließen […] | 5) Ich glaube, es gibt Staaten, die zu verraten eine sittliche Pflicht ist, aber der unsere gehört zur Zeit nicht dazu. | 6) Wenn sie aber glauben, sie könnten die Lesung jetzt nicht verantworten, bitte, dann sagen wir sie einfach ab. Ich selber hätte keine Sorgen wegen Unruhen. Im Gegenteil. Vielleicht ergibt sich eine Diskussion […] | 7) Dieser Brief ist zu Ihrer Information geschrieben, nicht für den Druck. Aber den Inhalt können Sie, falls das notwendig ist, mitteilen. | Also, entscheiden Sie bitte bald, wie wir verfahren. Ich lese gern und diskutiere auch gern, aber ich möchte nicht, dass Sie dadurch in Schwierigkeiten kommen. Trotzdem, das muss ich gestehen: ich finde es gerade jetzt notwendig, diese Schwierigkeiten zum Austrag zu bringen; diesen Diskussionen soll man nicht aus dem Weg gehen […]”