Zweig, Stefan, Schriftsteller (1881-1942).

Maschinengeschriebener Brief mit Eigenhändigen Korrekturen und Unterschrift Salzburg, 5. XII. 1929, Gr.-4°. 2 Seiten.

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Beschreibung

An den Schriftsteller Josef (Bela) Szekely in Budapest: “[…] Ehe ich in die Einzelheiten übergehe, möchte ich zunächst drei prinzipielle Feststellungen machen: Erstens haben Sie selbst in Ihrem Aufsatz zugegeben, dass es sich um kein Interwiew [so!] handelt. Ein Interwiew stellt die genaue Wiedergabe von Frage und Antwort eines dazu bestimmten Gespräches dar, Sie dagegen haben in der Wiedergabe nur Einzelnes aus einem Gespräch nach Ihrem Gutdünken wiedergegeben, anderes weggelassen, dadurch den Zusammenhang gestört und, wie ich schon geschrieben habe, politisch verschärft. Zweitens ist kein Interwiew nach allgemein unumstösslicher Sitte giltig, das nicht zuvor dem Betreffenden vorgelegt und von ihm gebilligt wurde. Das haben Sie nicht getan und ich hätte es auch in der gegebenen Form nie gebilligt. Besonders nicht ein künstlich dazugefügtes Wort über den ‘Verrat der ungarischen Schriftsteller’. Drittens haben Sie mir immer verschwiegen und verschweigen es auch in Ihrem heutigen Briefe, dass in der nächsten Nummer der Zeitschrift, Sie mich glatt dementierten und von mir hastig abgerückt sind. Ich kann dies aus Gründen der Gefahr sehr wohl verstehen, mache Ihnen nicht den geringsten Vorwurf daraus, ausser demjenigen, dass es Ihre moralische Pflicht gewesen wäre, mich sofort von diesem Umfall zu verständigen. Ich erkläre Ihnen darum ausdrücklich, dass ich Sie in diesem Sinne nicht decken kann, aber ich bitte Sie nicht zu glauben, dass wenn ich auch Ihr Verhalten in dieser Sache nicht korrekt finde und fand, ich Sie damit einer Gefahr aussetzen oder Ihre Situation erschweren wollte. Im Gegenteil, ich habe schon Tage jetzt damit verbracht, alles zu tun, was Sie aus Ihrer peinlichen Situation heraushelfen kann, habe keine Mühe gescheut, und einer der gütigsten Menschen, ein fast väterlicher Freund, Hofrat Julian Weiss hat alles getan um die ärgerliche Sache zu einem glücklichen Ausgang zu bringen. Ich habe nichts weniger getan als sie im Stiche zu lassen, sondern genau das Gegenteil, meinen ganzen Einfluss aufgeboten um Ihnen aus ihrer wie ich zugebe peinlichen Situation zu helfen. Leider habe ich den Eindruck, dass, sei es von Ihrer Seite, sei es von der Ihres Anwalts, gar nicht der Wille besteht, diesen Prozess zu vermeiden, sondern vielleicht im Gegenteil die Absicht, da eine politische Affaire aus einer Nichtigkeit herauszuprovozieren. Wenigstens entnehme ich dies dem Umstand, dass Sie diesem gütigen und hilfreichsten Mann, Hofrat Weiss, der ganz unbeteiligt und nur aus humanster Gesinnung und Freundschaftlichkeit aufklärend wirken wollte, nicht entgegengekommen sind. Ich wiederhole Ihnen nochmals, dass von meiner Seite alles Denkbare bereits unternommen wurde um Ihnen behilflich zu sein, dass ich aber, wenn Ihrerseits oder von Seite Ihres Anwalts die Absicht besteht, diesen Prozess zu forcieren und politisch aufzuziehen, ich den sachlichen Tatbestand nicht verschweigen kann. Sie können versichert sein dass ich, wie ich mir bisher schon die grösste Mühe gegeben habe, auch weiterhin nicht unterlassen werde, alles zu versuchen um die an sich nichtige Sache wirklich nichtig zu machen. Aber wenn von Ihrer oder Ihres Anwalts Seite Konterdampf gegeben wird, so erschweren Sie mir unnötig und, wie ich zu innerst überzeugt bin, gegen Ihre eigenen Interessen meine und meiner Freunde Bemühungen in dieser Sache […]” – Leicht fleckig. Knickfalten.