Mann, Erika, Schriftstellerin; älteste Tochter von Thomas Mann (1905-1969).

Maschinengeschriebener Brief mit eigenhändiger Unterschrift Kilchberg am Zürichsee, 29. V. 1958, Fol. (29,5 x 21 cm). 1 Seite. Bläuliches Papier mit Briefkopf. Mit Umschlag.

Nicht vorrätig

Beschreibung

An Gisela Jockisch: „[…] Seien Sie – auch im Namen meiner Mutter – von Herzen bedankt für die zaubervollen Blumen. ‚Langweilig‘ nennen Sie meine Lieblingswicken? Nicht doch! Es gehören diese zarten, durchsichtigen und wie tänzerischen Blüten für mein Gefühl zu den reizendsten Erzeugnissen der Natur. Ihren Wunsch für ‚Gute Besserung‘ kann ich sehr wohl gebrauchen. Vorläufig ist von einer solchen nicht die Rede, und ich beginne, ein wenig zu verzagen. Aber nach drei einhalb Monaten des im-Bette-Liegens mag dies am Ende verzeihlich sein. Ich habe mich sehr gefreut, Sie hier zu haben […]“ – Gisela Jockisch hatte Erika Mann in Kilchberg besucht, dazu beiliegend eine eigenh. Notiz: „Bin Ende Mai dort gewesen, war sehr schön, inzteressant, harmonisch“. – Erika Mann litt 1959 an einem komplizierten Bruch des Fußes und musste die Arbeit am Drehbuch zu den „Buddenbrooks“ teilweise vom Bett aus erledigen. – Die Schriftstellerin Gisela Jockisch (verh. Günther, geb. Schoenfeld, 1905-1985) war die erste Ehefrau des Regisseurs und Dramaturgen Walter Jockisch (1907-1970), der später Grete Weil, eine Freundin Klaus und Erika Manns heiratete. Die beiden schlossen 1933 eine nur kurz bestehende Scheinehe, da Gisela „Gisi“ Günther kurz vor der Geburt eines unehelichen Kindes stand. Die Tochter Michaela „Michele“ wurde so als „arisch“ vor den Nazis gerettet. Später war Gisela Jockisch mit Eduard Zuckmayer, dem älteren Bruder Carl Zuckmayers liiert, dem sie gemeinsam mit ihrer Tochter ins türkische Exil folgte.