Mosenthal, Salomon von, Dramatiker und Librettist (1821-1877).

250,00 

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift Wien, 19. VIII. 1850, Gr.-8°. 3 Seiten. Doppelblatt.

Vorrätig

Beschreibung

Ausführlicher Brief wegen der Uraufführung des Stückes „Bürger u. Molly“, das unter dem Titel „Ein deutsches Dichterleben“ veröffentlicht wurde. „Geehrter Herr! Man müsste, sagen Sie, den Dichtern danken, wenn man eine Correspondenz beginne – ich glaube man muss ihnen nur verzeihen. Denn diese Phantasten glauben, wenn sie im Geiste geantwortet, ihren Dank, ihre Verehrung gefühlt haben, sie hätten es auch schon ausgesprochen, abgesendet; und so sind die herzlichsten oft die ungezogensten. Ich wenigstens muss mich in diese Classe zählen; dass ich Ihr freundliches Briefchen noch nicht beantwortet habe, fände sonst gar keine Entschuldigung. Nehmen Sie alle den verspäteten aber aufrichtigen Dank für Ihre freundlichen Gesinnungen, für Bereitwilligkeit, mit Ihrem Talente den kleinen psychologischen Versuch zu unterstützen. Ich versende das Stückchen nicht an die Bühnen, damit es nicht in unrechte Hände komme, sondern ich lege es den Künstlern ans Herz, bei denen ich es geborgen weiss. Döring u. La Roche sind die Einzigen, die es ausser Ihnen besitzen und ich stelle es Ihnen, verehrter Herr, anheim, ob Sie in Stuttgart oder wo anders zuerst es vorführen wollen, wenn Sie es nur unter meinem Namen gefälligst einreichen und das übliche Honorar mir oder meinem Agenten Michaelson in Berlin zuweisen wollen. Ich habe die Sommermonate benützt mein Schauspiel – ich möchte es wohl Volksschauspiel nennen, Bürger u. Molly zu vollenden, und Laube der es gelesen, will es mit Hintansetzung alles Anderen schon Ende September bringen. Wüsste ich dass die Stuttgarter Bühne die beiden Damenrollen besetzen könnte, so würde ich es gern auch dorthin senden. La Roche spielt darin die kleine aber höchstbedeutende Rolle eines sinnigen Irrsinnigen, die in Ihnen einen unübertrefflichen Darsteller fände. Auch Löwe würde den Bürger wohl sicher mit künstlerischem Verständnis auffassen. Wenn ich dem Drange meines Herzens folgen darf und noch in diesem Herbst mein Liebchen im Schwabenlande besuche, so wird mir’s eine grosse Freude sein, dem genialen, leider mir unbekannten Künstler persönlich die Hand zu drücken. Indessen erlauben Sie mir es im Geiste zu tun. Ihr herzlich ergebener Dr. Mosenthal. – Das bekannteste Werk von Mosenthal ist bis heute wohl sein Libretto zu Otto Nicolais komischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ geblieben.